Insolvenzen explodieren – Wirtschaftskrise verschärft sich

Insolvenzen explodieren – Wirtschaftskrise verschärft sich

Unternehmenszusammenbrüche auf historischem Niveau

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Im vergangenen Jahr wurden 17.600 Unternehmensinsolvenzen gezählt – so viele wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr. Fachleute sehen darin keinen vorübergehenden Einbruch, sondern die Konsequenz einer langjährigen Schwächephase. Carsten Brzeski, Volkswirt und Marktbeobachter, ordnet die Entwicklung nüchtern ein: „Das sind die Folgen von drei oder fünf Jahren Stagnation.“

Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Krise inzwischen quer durch alle Unternehmensgrößen zieht. Neben kleinen Betrieben geraten zunehmend auch größere Firmen ins Straucheln, deren Ausfall erhebliche Folgen für Beschäftigte und ganze Regionen hat.

Großunternehmen immer häufiger betroffen

Besonders deutlich zeigt sich die Zuspitzung bei den großen Firmenpleiten. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Falkensteg stieg die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz im Jahr 2025 um rund 25 Prozent auf 471 Fälle. Seit dem Ende der akuten Corona-Krise im Jahr 2021 habe sich diese Zahl nahezu verdreifacht.

Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg und Mitautor der Studie, beschreibt die Lage drastisch: „Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen – sie hat Fieber bekommen.“ Für zahlreiche Unternehmen gehe es längst nicht mehr um Anpassung, sondern um das nackte Überleben.

Auch 2026 keine Entwarnung

Eine baldige Entspannung ist nach Einschätzung der Experten nicht zu erwarten. Für das Jahr 2026 prognostiziert Falkensteg einen weiteren Anstieg der Großinsolvenzen um 10 bis 20 Prozent auf etwa 530 Fälle.

Die Gründe liegen tiefer als eine schwache Konjunktur. Die Analyse verweist auf eine gefährliche Mischung aus nachlassender Wettbewerbsfähigkeit, akutem Fachkräftemangel, hoher Bürokratiebelastung und zurückgestellten Investitionen. Diese strukturellen Hemmnisse blockieren eine rasche Erholung und verstärken sich gegenseitig.

Industrie als Krisenherd

Besonders stark unter Druck steht die verarbeitende Industrie. Überkapazitäten, sinkende Gewinnspannen und hohe Kosten für notwendige Transformationen belasten die Unternehmen massiv. Ganze Geschäftsmodelle geraten ins Wanken.

Hinzu kommt zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck. Der für Anfang 2026 erwartete neue Fünfjahresplan Chinas, der auf technologische Eigenständigkeit abzielt, dürfte den Konkurrenzkampf weiter verschärfen. Davon betroffen sind vor allem deutsche Schlüsselbranchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie, die ohnehin mit tiefgreifenden Umbrüchen kämpfen.

Mittelstand vor existenziellen Entscheidungen

Als Haupttreiber der Insolvenzwelle nennt die Studie eine Kombination aus Strukturproblemen, verhaltener Konsumnachfrage und geopolitischer Unsicherheit. Jonas Eckhardt warnt: „Für viele Mittelständler ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern eine Überlebensfrage.“

Seiner Einschätzung nach droht eine dauerhafte Schwächung der wirtschaftlichen Substanz. „Der zyklische Abschwung entwickelt sich zum strukturellen Kollaps“, sagte er. Staatliche Investitionsprogramme hätten bislang kaum spürbare Entlastung gebracht.

Branchenvergleich zeigt alarmierende Verschiebungen

Ein Blick auf einzelne Branchen offenbart deutliche Veränderungen. Metallwarenhersteller führten 2025 mit 65 Insolvenzen erstmals das Negativranking an – ein Zuwachs von über 35 Prozent. Damit lösten sie die Automobilzulieferer ab, die mit 59 Fällen weiterhin stark unter Druck stehen.

Den stärksten prozentualen Anstieg verzeichnete jedoch die Elektrotechnikbranche: Hier schnellte die Zahl der Insolvenzen um fast 77 Prozent auf 53 Fälle nach oben. Im Konsumsektor zeigte sich ein gespaltenes Bild. Während die Pleiten im Einzelhandel um rund 10 Prozent zurückgingen, stiegen sie bei Herstellern von Nahrungs- und Konsumgütern um etwa 30 Prozent.

Tiefe Strukturkrise statt kurzer Durststrecke

Die aktuellen Insolvenzzahlen machen deutlich, dass Deutschland vor einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Bewährungsprobe steht. Es handelt sich nicht um eine vorübergehende Schwächephase, sondern um einen umfassenden Strukturwandel, der viele Unternehmen an ihre Belastungsgrenzen bringt. Die steigende Zahl der Firmenzusammenbrüche ist Ausdruck einer Wirtschaft, die sich neu erfinden muss – unter erheblich verschärften Bedingungen.

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