Massiver Stellenabbau trifft Standort Deutschland
Der Online-Modekonzern Zalando steht nach der Übernahme des Hamburger Konkurrenten About You vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Im Zuge der Neustrukturierung des europäischen Logistiknetzwerks verlieren rund 2.700 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze. Besonders betroffen ist Deutschland: Das Logistikzentrum im thüringischen Erfurt soll bis Ende September geschlossen werden.
Damit endet für tausende Mitarbeiter eine Beschäftigung, die teils über Jahre bestand. Der Stellenabbau ist einer der größten Einschnitte in der Unternehmensgeschichte und markiert einen deutlichen Strategiewechsel.

Schließung in Erfurt als Kern des Einschnitts
Nach Angaben des Konzerns entfällt der größte Teil der betroffenen Arbeitsplätze auf das Logistikzentrum in Erfurt. Dort arbeiten mehrere tausend Menschen in Lager, Versand und operativen Bereichen. Mit der geplanten Stilllegung verliert die Region einen der wichtigsten industriellen Arbeitgeber.
Zalando teilte mit, man werde Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufnehmen. Zugleich sei ein „umfassendes Unterstützungsangebot“ vorgesehen. Konkrete Zahlen zu Abfindungen, Umschulungen oder Transfergesellschaften nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Weitere Standorte verlieren Aufträge
Neben dem Standort Erfurt betrifft der Umbau auch drei Logistikstandorte außerhalb Deutschlands, die von externen Dienstleistern betrieben werden. Dort werden bestehende Verträge nicht verlängert. Auch an diesen Standorten ist mit Arbeitsplatzverlusten zu rechnen, selbst wenn sie formal nicht direkt bei Zalando angestellt sind.
Künftig soll das gesamte europäische Logistiknetzwerk auf 14 Logistikzentren in sieben Ländern reduziert werden. Ziel sei eine stärkere Zentralisierung, höhere Auslastung und geringere Kosten.
Übernahme treibt Rationalisierung voran
Der Stellenabbau steht in direktem Zusammenhang mit der Integration von About You. Doppelstrukturen in Logistik, IT und operativen Abläufen sollen abgebaut werden. Was betriebswirtschaftlich als Effizienzmaßnahme gilt, bedeutet für tausende Beschäftigte den Verlust ihres Einkommens.
Die Übernahme wird damit nicht nur zu einer Marktbereinigung im Online-Modehandel, sondern auch zu einem sozialpolitisch relevanten Einschnitt. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten verschärft der Wegfall von 2.700 Stellen den Druck auf Arbeitsmärkte und Sozialsysteme.
Signalwirkung für den deutschen E-Commerce
Der Schritt wirft ein Schlaglicht auf die Lage im europäischen Onlinehandel. Steigende Kosten, schwächeres Konsumklima und intensiver Wettbewerb zwingen selbst große Marktführer zu harten Maßnahmen. Der Stellenabbau bei Zalando gilt in der Branche als Warnsignal, dass die Phase aggressiven Wachstums endgültig vorbei ist.Für die betroffenen Beschäftigten bleibt vorerst vor allem Unsicherheit. Wann genau Kündigungen ausgesprochen werden und welche sozialen Abfederungen greifen, ist offen. Klar ist jedoch: 2.700 Menschen stehen vor dem Verlust ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage.

