Die Entscheidung, Annalena Baerbock als neue Präsidentin der UN-Generalversammlung zu nominieren, hat in Berlin und der Diplomatie für erhebliche Irritationen gesorgt. Besonders die plötzliche Absetzung der ursprünglich vorgesehenen Kandidatin Helga Schmid stößt auf Kritik.
Ein Karrieresprung mit Fragezeichen
Der Posten war eigentlich seit Sommer 2024 vergeben. Die international angesehene Diplomatin Helga Schmid hatte sich bereits auf die Aufgabe vorbereitet, führte Gespräche mit über 100 Staaten und wurde offiziell von der Bundesregierung nominiert.
Doch kurz nach der Bundestagswahl wurde alles umgeworfen: Baerbock setzte sich selbst als Kandidatin durch. In einer E-Mail an Parteikollegen begründete sie dies mit einer „starken politischen deutschen Besetzung“, die Deutschlands Bewerbung für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027/28 stärken solle.
Ein Coup hinter verschlossenen Türen
Laut Berichten lief der Personalwechsel mit hoher Diskretion ab. Baerbock sprach erst mit Kanzler Olaf Scholz, dann mit dem designierten Kanzler Friedrich Merz. Beide stimmten zu – Scholz wohl aus Loyalität, Merz mit der Überlegung, eine prominente Politikerin könnte Deutschlands Einfluss bei den UN stärken.
Das Auswärtige Amt informierte andere Ministerien erst kurz vor der Kabinettsentscheidung. Am Nachmittag folgte die offizielle Benennung Baerbocks – während Schmid leer ausging.
Kritik aus Diplomatenkreisen und Politik
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Viele sahen darin eine klare Missachtung diplomatischer Expertise.
Christoph Heusgen, ehemaliger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, kritisierte: „Schmid wäre die perfekte Wahl gewesen. Ihre Absetzung ist eine Unverschämtheit.“
Auch Sigmar Gabriel äußerte sich skeptisch: „Frau Baerbock kann viel von Helga Schmid lernen.“
Der FDP-Politiker Michael Link sprach von einem „undurchsichtigen Verfahren“, das Deutschlands Glaubwürdigkeit in der internationalen Diplomatie beschädige.
Ein Titel ohne Einfluss
Obwohl das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung auf den ersten Blick bedeutend klingt, ist es praktisch machtlos. Die Amtszeit beträgt nur ein Jahr, es gibt keine direkten Entscheidungsbefugnisse, und die zentrale Figur bleibt weiterhin der UN-Generalsekretär.
Dennoch bleibt Baerbock international präsent – und ihr Wechsel zeigt erneut, dass in der Politik oft nicht die beste Qualifikation, sondern das geschickteste Manöver entscheidet.