Die deutschen Jobcenter stehen in der Kritik: Eine Studie zeigt, dass bis zu 70 Prozent ihrer Mittel in Verwaltungskosten anstatt in die eigentliche Arbeitsvermittlung fließen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der erfolgreich vermittelten Menschen drastisch.
Wo bleibt das Geld?
Die Jobcenter hatten 2023 ein Budget von 10,7 Milliarden Euro. Doch statt dieses Geld für Qualifikationsmaßnahmen oder berufliche Eingliederung zu nutzen, wurden 6,5 Milliarden Euro für Bürokratie ausgegeben – das entspricht fast zwei Dritteln der Mittel. In manchen Jobcentern war der Anteil sogar noch höher.
Ein Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung kommentiert: „Wie viele Menschen die Jobcenter am Ende in Arbeit bringen, spielt eine untergeordnete Rolle.“
Dramatischer Rückgang bei Arbeitsvermittlungen
Die Vermittlungsquote ist in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken:
- 2014: 14,9 Prozent der Arbeitslosen fanden durch Jobcenter eine Stelle.
- 2023: Nur noch 5,5 Prozent wurden erfolgreich vermittelt.
- Seit Einführung des Bürgergeldes 2023 sank die Quote zusätzlich um sechs Prozent.
Trotz dieser Entwicklung sieht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales keinen akuten Handlungsbedarf.
Wer erhält Bürgergeld?
Aktuell sind 5,4 Millionen Menschen in Deutschland auf Bürgergeld angewiesen:
- 1,9 Millionen Arbeitslose, die eine Beschäftigung suchen.
- 2,7 Millionen Personen, die als nicht erwerbsfähig gelten.
- 830.000 Aufstocker, die trotz Arbeit nicht genug verdienen.
Reformbedarf wird ignoriert
Die Jobcenter begründen die hohen Verwaltungskosten mit einer zu geringen personellen und finanziellen Ausstattung. Doch statt Lösungen zu suchen, bleibt alles beim Alten.
Solange mehr Geld für Bürokratie als für tatsächliche Vermittlungsmaßnahmen ausgegeben wird, bleibt die Arbeitsmarktintegration vieler Menschen auf der Strecke.