Amazon erhöht Löhne und bleibt in der Kritik

Amazon erhöht Löhne und bleibt in der Kritik

Mehr Einkommen für Logistikbeschäftigte

Der Versand- und Onlinehandelskonzern Amazon hebt die Bezahlung seiner Logistikmitarbeiter in Deutschland erneut an. Ab September erhalten Beschäftigte nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit im Durchschnitt einen Stundenlohn von 18,87 Euro. Gegenüber der bisherigen Vergütung entspricht dies einer Erhöhung um 3,1 Prozent.

Mit der Anpassung setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben seine seit Jahren praktizierte Politik fort, die Löhne regelmäßig anzuheben. Dennoch sorgt die Entscheidung nicht für Ruhe. Die Gewerkschaft Verdi hält an ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag fest und kritisiert das Vergütungssystem des Unternehmens weiterhin scharf.

Unternehmen bestimmt Löhne selbst

Im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitgebern im Einzel- und Versandhandel orientiert sich Amazon in Deutschland nicht an einem Tarifvertrag. Stattdessen legt der Konzern die Löhne eigenständig fest.

Diese Vorgehensweise ist seit Jahren Gegenstand eines Konflikts mit Verdi. Die Gewerkschaft fordert rechtsverbindliche Tarifverträge und hat in der Vergangenheit wiederholt zu Warnstreiks in verschiedenen Logistikzentren aufgerufen.

Amazon weist die Vorwürfe zurück und betont, auch ohne tarifliche Bindung attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten.

Nach Angaben des Unternehmens sei man „ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber“.

Außerdem verweist Amazon darauf, dass die Löhne der Beschäftigten seit 2014 in jedem Jahr angehoben worden seien.

Vergütung fällt regional unterschiedlich aus

Der angekündigte Stundenlohn von 18,87 Euro stellt einen Durchschnittswert über das gesamte deutsche Logistiknetzwerk dar.

Je nach Standort bestehen Unterschiede:

  • Im Raum München liegen die Stundenlöhne teilweise über dem Durchschnitt.
  • An einigen Standorten in Ostdeutschland fällt die Bezahlung niedriger aus.
  • Mindestens 18 Euro pro Stunde sollen künftig jedoch überall gezahlt werden.

Damit liegt die niedrigste Vergütung bei Amazon weiterhin deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro. Der Abstand beträgt mehr als vier Euro pro Stunde.

Erhöhung gilt nur für Lager- und Versandmitarbeiter

Von der neuen Lohnregelung profitieren ausschließlich Beschäftigte in den deutschen Logistikzentren.

Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

  • Kommissionieren von Waren
  • Zusammenstellen von Bestellungen
  • Verpacken von Produkten
  • Vorbereitung der Pakete für den Versand

Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt je nach Standort zwischen 35 und 40 Wochenstunden.

Nicht berücksichtigt werden hingegen:

  • Paketzusteller
  • Fahrer externer Lieferunternehmen
  • Beschäftigte von Subunternehmern

Die Paketzustellung erfolgt überwiegend über externe Dienstleister, die im Auftrag von Amazon arbeiten. Deshalb fallen deren Mitarbeiter nicht unter die aktuelle Lohnerhöhung.

Beschäftigte mit besonderen Qualifikationen oder Führungsaufgaben erhalten unabhängig davon höhere Gehälter.

Verdi hält an Tarifverträgen fest

Für Verdi reicht die angekündigte Gehaltserhöhung nicht aus. Nach Ansicht der Gewerkschaft lösen freiwillige Lohnanpassungen das grundlegende Problem nicht.

Silke Zimmer, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, erklärte:

„Trotz der Lohnerhöhungen bleibt es dabei: Die Beschäftigten fordern rechtsverbindliche Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels und Verhandlungen auf Augenhöhe.“

Die Gewerkschaft verlangt weiterhin verbindliche tarifliche Regelungen, die neben den Löhnen auch Arbeitsbedingungen und weitere Ansprüche langfristig absichern.

Konflikt zwischen Amazon und Verdi dauert an

Die aktuelle Gehaltserhöhung verdeutlicht einmal mehr die unterschiedlichen Auffassungen beider Seiten.

Amazon verweist auf kontinuierlich steigende Löhne, eine Bezahlung deutlich oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns und regelmäßige Anpassungen seit 2014.

Verdi hingegen sieht darin keinen Ersatz für einen Tarifvertrag und fordert weiterhin Verhandlungen über verbindliche Vereinbarungen. Damit bleibt die Auseinandersetzung über Löhne und Arbeitsbedingungen bei einem der größten Logistikarbeitgeber Deutschlands auch nach der jüngsten Gehaltserhöhung bestehen.

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