Magna-Aus trifft 216 Beschäftigte hart

Magna-Aus trifft 216 Beschäftigte hart

Standort in Unterfranken steht vor dem Aus

Die Krise der deutschen Automobilindustrie fordert ein weiteres prominentes Opfer. Der Automobilzulieferer Magna International (Germany) wird seinen Produktionsstandort im unterfränkischen Dorfprozelten schließen. Die Fertigung soll Mitte 2027 endgültig eingestellt werden. Für 216 Beschäftigte bedeutet die Entscheidung den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

In dem Werk werden bislang Außen- und Rückspiegel für Fahrzeuge produziert. Nach Angaben des Unternehmens sei der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Trotz Investitionen und verschiedener Sparprogramme habe sich die Situation nicht nachhaltig verbessern lassen.

Unternehmen sieht keine wirtschaftliche Perspektive

Magna verweist auf die seit Jahren angespannte Entwicklung in der Automobilbranche. Hoher Kostendruck, sinkende Nachfrage und schwierige Marktbedingungen hätten dazu geführt, dass der Standort keine Zukunft mehr habe.

Ein Unternehmenssprecher erklärte:

„Trotz finanzieller Investitionen und umgesetzter Kostensenkungsmaßnahmen in den letzten Jahren konnte die Zukunftsfähigkeit nicht aufrechterhalten werden.“

Nach Einschätzung des Konzerns blieb damit letztlich nur noch die Entscheidung, den Betrieb vollständig aufzugeben.

Gewerkschaft wirft Magna Wortbruch vor

Bei der IG Metall stößt die Ankündigung auf massive Kritik. Die Arbeitnehmervertretung wirft dem Unternehmen vor, den Standort über Jahre hinweg selbst geschwächt zu haben. Vereinbarte Projekte seien nicht umgesetzt worden, zugesagte Aufträge hätten das Werk nie erreicht.

Percy Scheidler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg, sagte wörtlich:

„Magna hat vereinbarte Arbeit, Aufträge und Anlagen nicht geliefert und hat jetzt entschieden, dass der Standort nicht mehr tragfähig ist. Unternehmertum sieht anders aus.“

Nach Auffassung der Gewerkschaft sei die jetzige Schließung deshalb keineswegs überraschend, sondern das Ergebnis einer Unternehmenspolitik, bei der zugesagte Maßnahmen nicht verwirklicht worden seien.

Rettungsplan von 2023 verliert seine Bedeutung

Besonders bitter ist die Entwicklung, weil das Werk bereits 2023 kurz vor der Schließung stand. Damals gelang es nach intensiven Verhandlungen, den Standort zunächst zu sichern.

Die damalige Vereinbarung sah unter anderem vor:

  • Erhalt des Werks bis mindestens Ende 2028
  • Mindestens 250 Arbeitsplätze sollten bestehen bleiben.
  • Neue Produktionsaufträge sollten den Standort langfristig absichern.

Damals arbeiteten noch rund 450 Menschen in Dorfprozelten. Heute sind es nur noch 216 Beschäftigte – weniger als die Hälfte der früheren Belegschaft.

Nach Darstellung der Gewerkschaft wurden wesentliche Bestandteile der Vereinbarung jedoch nie umgesetzt. Weder seien neue Produkte nach Dorfprozelten verlagert worden, noch habe das Werk zusätzliche Fertigungsaufträge erhalten.

Streit um wichtige Zukunftstechnologie

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die sogenannte LC-Spiegelglas-Technologie, die als Hoffnungsträger für die Zukunft des Standorts galt.

Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung habe das Management beschlossen,

  • die Entwicklung nicht weiterzuführen,
  • keine Serienproduktion aufzubauen und
  • die Technologie nicht am Markt zu etablieren.

Dabei waren für das Projekt erhebliche Fördergelder des Freistaats Bayern bereitgestellt worden.

Christoph Curs, Gewerkschaftssekretär und Betriebsbetreuer, erklärte:

„Für die Entwicklung und Vermarktung der LC-Technologie wurden erhebliche Fördermittel des Freistaats Bayern eingesetzt, der ernste Wille, das Produkt an den Markt zu bringen, hat sich nicht gezeigt.“

Die Gewerkschaft sieht darin eine vertane Chance, den Standort langfristig wettbewerbsfähig zu machen.

Die Krise der Autoindustrie verschärft sich

Die Schließung in Dorfprozelten ist kein Einzelfall. Immer mehr Hersteller und Zulieferer bauen Arbeitsplätze ab oder schließen ganze Werke. Gründe dafür sind unter anderem:

  • steigende Produktionskosten,
  • schwache Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten,
  • der teure Umbau zur Elektromobilität,
  • wachsender Konkurrenzdruck aus Asien,
  • hohe Investitionen in neue Technologien.

Vor allem Zulieferunternehmen geraten dadurch zunehmend unter Druck.

Auch Volkswagen und Bosch streichen Stellen

Die Probleme reichen weit über Magna hinaus. Volkswagen hat angekündigt, seinen Konzern in den kommenden Jahren deutlich zu verkleinern. Konzernchef Oliver Blume bestätigte, dass bis 2030 bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Das entspricht etwa einem Sechstel der gesamten Belegschaft.

Auch der Zulieferer Bosch hat bereits umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt. Damit setzt sich der Stellenabbau in einer der wichtigsten deutschen Industrien ungebremst fort.

Ökonomen sehen tiefere Ursachen

Die Entwicklung bringt auch die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz zunehmend unter Druck. Experten weisen darauf hin, dass sich die Schwierigkeiten nicht allein durch Bürokratieabbau oder niedrigere Lohnnebenkosten lösen lassen.

Der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Stefan Kooths, sagte:

„In den Kernbereichen Lohnnebenkosten und Deregulierung wird das Programm im Wesentlichen bewirken, dass die Rahmenbedingungen sich hierzulande künftig weniger stark verschlechtern.“

Seine Einschätzung fällt ernüchternd aus:

„Weniger schnell absteigen ist noch kein Aufstieg.“

Viele Wirtschaftsexperten sehen die eigentlichen Probleme in einer nachlassenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Zahlreiche Produkte entsprächen nicht mehr den Anforderungen der Weltmärkte. Gleichzeitig steigen Kosten, während Wettbewerber aus anderen Ländern ihre Marktanteile ausbauen.

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