Plastiksteuer macht Einkaufen teurer

Plastiksteuer macht Einkaufen teurer

Neue Abgaben treffen Verbraucher direkt

Ab 2027 müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland auf höhere Kosten einstellen. Die Bundesregierung will den Bundeshaushalt 2027 mit zusätzlichen Einnahmen absichern und plant dafür mehrere Steuererhöhungen. Besonders alltagsnah ist die geplante Weitergabe der Plastiksteuer auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen.

Der Haushaltsentwurf sieht Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor. Gleichzeitig soll der Bund 118,7 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Das bedeutet: Trotz zusätzlicher Abgaben bleibt der Haushalt hoch verschuldet. Für die Jahre 2026 bis 2030 sind sogar mehr als eine Billion Euro neue Schulden vorgesehen. Ab 2028 klafft in der Finanzplanung dennoch eine Lücke von über 100 Milliarden Euro.

Vier Steuererhöhungen im Anmarsch

Die Bundesregierung plant mehrere Belastungen, die den Alltag vieler Haushalte erreichen können. Es geht nicht nur um abstrakte Haushaltszahlen, sondern um Produkte, die viele Menschen regelmäßig kaufen.

Geplant oder diskutiert sind:

  • Plastiksteuer auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen
  • höhere Alkoholsteuer
  • höhere Tabaksteuer
  • geplante Zuckersteuer, die bislang noch nicht im Haushalt berücksichtigt ist

Damit wird der Konsum stärker zur Einnahmequelle des Staates. Besonders bei Produkten des täglichen Bedarfs könnten Unternehmen die neuen Kosten in die Preise einbauen.

Plastikabgabe wird an Firmen weitergereicht

Die Plastiksteuer ist bereits seit 2021 Teil der EU-Finanzierung. Mitgliedstaaten zahlen für nicht recycelte Kunststoffverpackungen. Bisher hat Deutschland diese Belastung aus dem allgemeinen Haushalt getragen. Ab 2027 soll sich das ändern.

Künftig sollen jene Unternehmen zahlen, die nicht recyceltes Plastik in Verkehr bringen. Formal richtet sich die Abgabe also an Firmen. Praktisch ist jedoch damit zu rechnen, dass viele Anbieter die Kosten an die Kundinnen und Kunden weiterreichen.

Damit könnte aus einer staatlichen Haushaltsmaßnahme sehr schnell ein Preisaufschlag im Supermarkt werden.

Deutschland zahlt Milliarden für Plastikmüll

Nach Angaben von Plastics Europe überweist Deutschland seit 2021 jährlich rund 1,4 Milliarden Euro wegen etwa 1,7 Millionen Tonnen nicht recyceltem Plastik an die EU. Diese Summe kam bislang aus dem Bundeshaushalt.

Die Abgabe beträgt 80 Cent pro Kilogramm nicht verwertbaren Kunststoffs. Bei einer einzelnen Verpackung wirkt das zunächst überschaubar. Eine 30-Gramm-Verpackung würde bei vollständiger Weitergabe etwa zwei Cent teurer.

Doch der Effekt summiert sich über viele Einkäufe hinweg. Laut BUND liegt der Plastikverbrauch in Deutschland bei rund 40 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Daraus ergäbe sich rechnerisch eine Belastung von 32 Euro jährlich pro Person, wenn die Kosten vollständig weitergegeben würden.

Kleine Beträge werden zur Dauerbelastung

Die Plastiksteuer dürfte kaum als großer Einzelbetrag auffallen. Genau darin liegt ihr Effekt. Sie verteilt sich auf viele Produkte und wird dadurch im Alltag schwerer greifbar.

Betroffen sein könnten unter anderem:

  • verpackte Lebensmittel
  • Getränkeverpackungen
  • Tiefkühlprodukte
  • Drogerieartikel
  • Kosmetik
  • Haushaltswaren
  • Einwegverpackungen für Obst, Gemüse oder Fertigprodukte

Für Haushalte mit geringem Einkommen können solche Preisaufschläge spürbar werden, besonders wenn gleichzeitig Alkohol, Tabak und möglicherweise zuckerhaltige Produkte teurer werden.

Kritik: Keine echte Umweltlenkung

Die Kunststoffbranche kritisiert die geplante Weitergabe deutlich. Plastics Europe warnt, dass die Maßnahme kaum die gewünschte ökologische Wirkung erzielen werde. Der Verband verweist auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2023.

In einer Stellungnahme heißt es: „In der Praxis wird häufig auf alternative Materialien ausgewichen, die oft ressourcenintensiver sind und schlechter recycelt werden können. Besonders problematisch sind faserbasierte, kunststoffbeschichtete Verbundverpackungen.“

Der Vorwurf lautet: Unternehmen könnten nicht unbedingt nachhaltiger produzieren, sondern schlicht auf andere Verpackungen ausweichen, die ökologisch ebenfalls problematisch sind. Dann würde die Steuer zwar Geld bringen, aber wenig für Umwelt und Kreislaufwirtschaft leisten.

Spanien und Portugal geben Kosten weiter

Bislang reichen nur wenige EU-Staaten die Plastiksteuer direkt an Verbraucher weiter. Spanien und Portugal haben diesen Weg bereits gewählt. Andere Länder, darunter Deutschland, finanzierten die Abgabe bislang aus dem Staatshaushalt.

Die Entscheidung liegt bei den Mitgliedstaaten. Schon die frühere Ampelkoalition hatte 2024 erwogen, die Plastikabgabe weiterzugeben. Damals scheiterten die Pläne jedoch im Zuge der Haushaltsberatungen.

Nun soll der Schritt ab 2027 kommen. Damit wechselt die Belastung vom Bundeshaushalt stärker in Richtung Unternehmen und indirekt wohl auch Verbraucher.

Verbraucher können Ausgaben begrenzen

Ganz machtlos sind Kundinnen und Kunden nicht. Wer Einwegplastik meidet, kann mögliche Zusatzkosten reduzieren und zugleich Verpackungsmüll vermeiden.

Sinnvolle Schritte im Alltag sind:

  • unverpacktes Obst und Gemüse kaufen
  • eigene Mehrwegtüten verwenden
  • Nachfüllpackungen und Mehrwegsysteme bevorzugen
  • Produkte mit wenig Verpackung wählen
  • Kosmetik ohne Mikroplastik kaufen
  • unnötig einzeln verpackte Waren meiden

Gerade Supermärkte und Drogerien bieten inzwischen mehr Alternativen an. Je stärker Verbraucher solche Produkte wählen, desto größer wird der Druck auf Hersteller, Verpackungen zu verändern.

Haushalt bleibt trotz Belastung löchrig

Die neuen Abgaben sollen helfen, den Bundeshaushalt 2027 zu finanzieren. Doch die Zahlen zeigen, wie angespannt die Lage bleibt. Trotz geplanter Steuererhöhungen sind 555,4 Milliarden Euro Ausgaben und 118,7 Milliarden Euro neue Schulden vorgesehen.

Zusätzlich plant die Regierung Einschnitte bei Sozialleistungen. Auch Kürzungen beim Rentenzuschuss stehen im Raum. Geld aus dem Klima- und Transformationsfonds soll umgeschichtet werden. Zudem soll die Tilgung des Bundeswehr-Sondervermögens später erfolgen.

Die Plastiksteuer ist damit Teil eines größeren Spar- und Belastungspakets. Für Verbraucher bedeutet das: Der Staat sucht neue Einnahmen, und ein Teil davon dürfte künftig direkt an der Ladenkasse spürbar werden.

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