Fischerei mit Schleppnetzen zerstört Meeresböden

Fischerei mit Schleppnetzen zerstört Meeresböden

Ein neuer Umweltbericht deckt auf, dass die Grundschleppnetz-Fischerei in Europa jährlich Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Die Praxis zerstört nicht nur wertvolle Meereslebensräume, sondern trägt auch erheblich zum Klimawandel bei. Trotzdem bleibt sie durch Subventionen wirtschaftlich tragbar – ein Modell, das Experten als nicht zukunftsfähig bezeichnen.

Meeresböden in Gefahr

Schleppnetz-Fischerei funktioniert nach einem einfachen, aber zerstörerischen Prinzip: Riesige Netze werden mit schweren Gewichten über den Meeresboden gezogen, um möglichst viele Fische zu fangen. Doch dabei wird nicht nur der Zielbestand gefischt:

  • Riffe und Muschelbänke werden zerstört.
  • Große Mengen an Beifang – also nicht verwertbare Meerestiere – sterben dabei.
  • CO₂ wird aus den Sedimenten freigesetzt, was die Erderwärmung verstärkt.

Enric Sala, Forscher bei Pristine Seas, bringt es auf den Punkt: „Diese Fischerei ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich eine Katastrophe.“

Subventionen erhalten eine unrentable Industrie

Eine Analyse der Wirtschaftlichkeit zeigt, dass diese Fischerei nur durch staatliche Unterstützung überlebt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • Die Branche erwirtschaftet jährlich etwa 4,5 Milliarden Euro Umsatz.
  • Die tatsächlichen Kosten – etwa durch Umweltzerstörung – liegen zwischen 330 Millionen und 10,8 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Ohne Subventionen wäre diese Fischerei längst nicht mehr rentabel.

Trotz dieser Bilanz trägt die Grundschleppnetz-Fischerei gerade einmal zwei Prozent zur Eiweißversorgung in Europa bei. Der Preis, den Natur und Gesellschaft dafür zahlen, ist unverhältnismäßig hoch.

Besondere Belastung für Schutzgebiete

Besonders brisant: Über zwölf Prozent dieser Fischerei findet in Meeresschutzgebieten statt – also genau dort, wo das Ökosystem eigentlich bewahrt werden sollte.

Sala betont: „Ein Verbot dieser Fischerei in Schutzgebieten wäre ein erster wichtiger Schritt.“

Die Erkenntnisse des Berichts zeigen, dass ein Umdenken in der Fischereipolitik notwendig ist. Doch bislang bleiben politische Maßnahmen zur Einschränkung dieser zerstörerischen Praxis aus.

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