Karneval unter Bedrohung

Karneval unter Bedrohung

Polizei verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Die Karnevalszeit steht dieses Jahr unter einem bedrohlichen Schatten. Der Islamische Staat (IS) hat in sozialen Netzwerken zu Angriffen auf Karnevalsfeiern in Köln, Nürnberg und Rotterdam aufgerufen. Die deutschen Sicherheitsbehörden nehmen die Warnungen ernst und haben umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet.

Terroraufrufe gegen Karnevalsfeiern

Die Drohungen des IS richten sich unter anderem gegen die Weiberfastnacht in Köln, die Rosenmontagsfeier in Nürnberg sowie das „Festival der Liebe“ in Rotterdam. In einer veröffentlichten Botschaft der Terrororganisation heißt es unmissverständlich: „Wähle dein nächstes Angriffsziel“.

Trotz dieser Warnungen gibt das Bundeskriminalamt (BKA) Entwarnung: Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge liegen nicht vor, jedoch bleibt die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus auf einem hohen Niveau. Die Polizei stuft die Gefahr als „abstrakt hoch“ ein.

Erste Veranstaltung abgesagt

Die IS-Drohungen haben bereits erste Konsequenzen: Eine Karnevals-Afterparty in Nürnberg, die für Sonntag geplant war, wurde vorsorglich abgesagt. Christopher Andrews, Vorsitzender des Vereins „Global Locals“, erklärte: „Wir wollen niemanden unnötig in Gefahr bringen. Es ist eine traurige Entscheidung, aber sollte tatsächlich etwas passieren, wäre das unverantwortlich.“

Polizei erhöht Sicherheitsvorkehrungen massiv

Um das Risiko zu minimieren, haben die Behörden ihre Einsatzpläne angepasst. Besonders in Köln, wo der Karneval traditionell Hunderttausende Besucher anzieht, wird die Polizei mit einem Großaufgebot präsent sein.

Allein dort sind 1.500 Polizisten im Einsatz, unterstützt von rund 1.000 Kräften des Ordnungsamtes und privater Sicherheitsdienste. Nach dem jüngsten Terroranschlag in München wurde das Sicherheitskonzept nochmals überarbeitet.

Schon im Vorfeld mussten einige Karnevalsumzüge abgesagt werden – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch wegen der hohen Kosten für die Schutzmaßnahmen.

Experten warnen vor zunehmender Radikalisierung

Ein Ermittler des Staatsschutzes beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: „In den vergangenen Monaten gab es eine verstärkte Mobilisierung und Radikalisierung innerhalb islamistischer Kreise.“ Veranstaltungen mit großen Menschenmengen seien schon immer bevorzugte Ziele für Terroristen gewesen.

Dennoch betont der Experte, dass es derzeit keine konkreten Anschlagspläne gibt. Vielmehr wolle der IS potenzielle Einzeltäter ermutigen, auf eigene Faust Angriffe durchzuführen. „Eine hundertprozentige Sicherheit für Großveranstaltungen kann es nicht geben“, räumt er ein.

Sicherheitslage bleibt angespannt, Karneval geht weiter

Die Bedrohungslage überschattet die diesjährigen Karnevalsfeierlichkeiten, doch weder die Veranstalter noch die Besucher wollen sich einschüchtern lassen. Die Sicherheitskräfte stehen bereit, um mögliche Gefahren abzuwehren. Auch wenn die Gefahr nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, bleibt die Botschaft klar: Der Karneval wird gefeiert – unter schärferen Sicherheitsvorkehrungen als je zuvor.

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