Kim rüstet Nordkoreas Marine für Atomkrieg auf

Kim rüstet Nordkoreas Marine für Atomkrieg auf

Neue Kriegsschiffe sollen Abschreckung verschärfen

Nordkorea verwandelt seine bisher als Schwachstelle geltende Marine in einen weiteren Träger seiner nuklearen Militärstrategie. Machthaber Kim Jong-un verlangt einen drastisch beschleunigten Flottenausbau. Neben zusätzlichen Kampfschiffen der 5.000-Tonnen-Klasse sollen künftig strategische Einheiten mit einer Verdrängung von 10.000 Tonnen entstehen.

Mit diesem Programm will Pjöngjang seine Atomstreitkräfte auf das Meer ausdehnen. Gelingt die Umsetzung, könnten nordkoreanische Nuklearwaffen schwerer aufzuspüren und aus mehreren Richtungen einsetzbar werden. Für Südkorea, Japan und die amerikanischen Streitkräfte in der Region bedeutet dies eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage.

Choe Hyon wird feierlich in Dienst gestellt

Am 23. Juni 2026 nahm Kim im Hafen von Nampho an der Indienststellung des Mehrzweckzerstörers Choe Hyon teil. Nach offiziellen Angaben hatte das Schiff zuvor 14 Monate lang operative Erprobungsfahrten absolviert.

Die Choe Hyon verdrängt etwa 5.000 Tonnen und ist das größte Kriegsschiff, das Nordkorea bislang gebaut hat. Die Führung in Pjöngjang bezeichnet die Einheit als Zerstörer. Internationale Militärexperten stufen sie eher als schwere Lenkwaffenfregatte ein.

Ihre Verdrängung entspricht ungefähr jener moderner europäischer Kriegsschiffe. Für Nordkorea stellt die Choe Hyon daher einen erheblichen Sprung gegenüber einer Flotte dar, die bislang überwiegend aus kleineren, teilweise veralteten Einheiten bestand.

Werften erhalten einen extrem ehrgeizigen Auftrag

Kim fordert von der nordkoreanischen Schiffbauindustrie, in den kommenden fünf Jahren jährlich zwei Kriegsschiffe von vergleichbarer Größe zu fertigen. Bei vollständiger Umsetzung könnten somit bis zu zehn weitere große Kampfschiffe hinzukommen.

Das wäre für die wirtschaftlich isolierte und unter umfangreichen Sanktionen stehende Volksrepublik ein gewaltiges Industrieprogramm. Der Bau großer Kriegsschiffe verlangt weit mehr als ausreichend dimensionierte Werften. Erforderlich sind unter anderem:

  • leistungsfähige Triebwerke und Energieanlagen
  • moderne Radar- und Führungssysteme
  • weitreichende Lenkflugkörper
  • elektronische Aufklärungs- und Störtechnik
  • ausgebildete Besatzungen und Wartungspersonal
  • gesicherte Versorgung mit Ersatzteilen und Munition

Ob Nordkorea diese Vorgaben tatsächlich innerhalb des angeordneten Zeitrahmens erfüllen kann, bleibt offen. Die politische Zielsetzung lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass Kim der maritimen Aufrüstung höchste Priorität einräumt.

Kang Kon soll als zweites Großschiff folgen

Mit der Kang Kon befindet sich bereits ein weiterer Zerstörer der 5.000-Tonnen-Klasse in der Erprobung. Kim hatte das Schiff während einer Probefahrt persönlich inspiziert. Seine Baugeschichte zeigt allerdings, wie groß die technischen Schwierigkeiten des Programms sein können.

Beim Stapellauf im Hafen von Chongjin ereignete sich 2025 ein schwerer Unfall. Das Kriegsschiff geriet in Schieflage und wurde am Rumpf beschädigt. Kim reagierte mit heftiger Kritik an den zuständigen Einheiten und machte die Verantwortlichen öffentlich für das Scheitern verantwortlich.

Nach aufwendigen Reparaturarbeiten wurde die Kang Kon wiederhergestellt und setzte ihre Testfahrten fort. Pjöngjang beabsichtigt nun, auch dieses Schiff möglichst bald in den aktiven Dienst zu übernehmen.

Neue Schiffsklasse soll 10.000 Tonnen erreichen

Die Choe Hyon und die Kang Kon markieren offenbar lediglich eine Zwischenstufe. Nordkorea will die Entwicklung sogenannter strategischer Kriegsschiffe mit einer Verdrängung von 10.000 Tonnen beschleunigen.

Diese Einheiten wären etwa doppelt so schwer wie die derzeitigen Neubauten. Die größere Konstruktion könnte Raum für mehr Lenkflugkörper, leistungsfähigere Sensoren, umfangreiche Flugabwehrsysteme und zusätzliche Kommandoeinrichtungen bieten.

Welche Waffen eingebaut werden sollen, ist nicht bekannt. Die Verbindung mit Kims Forderung nach einer „Nuklearisierung der Marine“ legt jedoch nahe, dass die geplanten Schiffe zumindest teilweise strategische Waffensysteme tragen könnten. Denkbar wären nuklear bestückbare Marschflugkörper oder andere weitreichende Lenkwaffen.

Kim macht die Marine zum atomaren Machtfaktor

Der nordkoreanische Machthaber räumte ein, dass die Seestreitkräfte früher den schwächsten Teil des Militärs dargestellt hätten. Nun befinde sich die Marine jedoch in einem tiefgreifenden Wandel.

„Das Atomwaffenprogramm der Marine schreitet planmäßig voran. Dies ist eine äußerst wichtige strategische Ausrichtung, die dazu beiträgt, die nationalen Nuklearstreitkräfte für vielseitige und effektive Operationen bereit zu halten“, erklärte Kim Jong-un.

Die Aussage macht deutlich, dass Pjöngjang nicht nur größere konventionelle Kriegsschiffe bauen will. Die Marine soll vielmehr fest in die nukleare Abschreckungsstrategie eingebunden werden.

Seegestützte Atomwaffen gelten als besonders bedrohlich, weil mobile Trägersysteme schwieriger zu überwachen sind. Sie können ihren Standort verändern und damit die Planung eines gegnerischen Präventivschlags erheblich erschweren.

Neue Flotte verlangt geschützte Stützpunkte

Kim bezeichnete den Bau moderner Marinestützpunkte als dringende Aufgabe. Die vorhandene Infrastruktur dürfte für eine wachsende Flotte aus großen Zerstörern und strategischen Kriegsschiffen kaum ausreichen.

Schiffe dieser Größenordnung benötigen tiefe Hafenbecken, umfangreiche Reparaturanlagen, Treibstofflager, Munitionsdepots und gesicherte Liegeplätze. Sollten nukleare Waffen stationiert werden, wären zusätzliche Sicherheits- und Kommandoeinrichtungen erforderlich.

Auch der Schutz vor Luftangriffen und gegnerischer Aufklärung gewinnt an Bedeutung. Denkbar sind verstärkte Bunkeranlagen, unterirdische Lagerstätten und eine ausgeweitete Luftverteidigung rund um die wichtigsten Marinebasen.

Nachbarstaaten geraten stärker unter Druck

Die Aufrüstung verändert die militärische Bedrohung in Nordostasien. Größere und besser bewaffnete nordkoreanische Schiffe könnten ihre Einsätze weiter von der eigenen Küste entfernt durchführen und amerikanische, japanische oder südkoreanische Marineverbände stärker unter Druck setzen.

Ob die neuen Einheiten technisch mit modernen Kriegsschiffen anderer Staaten mithalten können, ist nicht belegt. Auch über die Qualität ihrer Sensoren, Raketen und Kommunikationssysteme liegen keine verlässlichen Angaben vor.

Dennoch zeigt die Indienststellung der Choe Hyon, dass Nordkorea seine maritimen Fähigkeiten deutlich ausbaut. Die geforderte Serienproduktion, der angekündigte Bau von 10.000-Tonnen-Schiffen und die ausdrückliche Einbindung der Marine in die Atomstrategie markieren eine gefährliche neue Stufe der nordkoreanischen Aufrüstung.

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