Kurssturz verändert Vermögensrangliste der Milliardäre
Der deutliche Rückgang der Amazon-Aktie hat am Freitag nicht nur Anleger getroffen, sondern auch das Kräfteverhältnis an der Spitze der globalen Vermögensranglisten verschoben. Firmengründer Jeff Bezos rutschte im Ranking des Wirtschaftsmagazins Forbes vom vierten Platz ab. An seine Stelle rückte Mark Zuckerberg, der als Chef von Facebook bekannt wurde.
Als Schätzgröße wird für Zuckerberg ein Vermögen von rund 226,6 Milliarden US-Dollar genannt. Bei Bezos verringerte sich der Wert demnach um etwa 16 Milliarden US-Dollar auf knapp 219 Milliarden US-Dollar. Der Vorgang illustriert, wie schnell große Kursschwankungen bei Mega-Caps die Vermögenspositionen einzelner Gründer verändern können – weil ein erheblicher Teil ihres Reichtums direkt an die Entwicklung der jeweiligen Aktie gekoppelt ist.

200 Milliarden US-Dollar für KI und Infrastruktur als Auslöser
Der Abverkauf setzte ein, nachdem Amazon ankündigte, im laufenden Jahr rund 200 Milliarden US-Dollar in Künstliche Intelligenz, Chips, Robotik und Satelliten stecken zu wollen. Das Investitionsvolumen liegt deutlich über dem, was viele Analysten zuvor einkalkuliert hatten. Hinzu kam eine weitere Belastung: Das Unternehmen erzielte im letzten Quartal weniger Gewinn als erwartet. Für viele Investoren war diese Kombination entscheidend – steigende Ausgaben bei gleichzeitig enttäuschender Profitabilität erhöhen die Skepsis gegenüber dem kurzfristigen Ertragspfad.
Im frühen US-Handel gab die Amazon-Aktie um 9,3 Prozent nach. Bereits am Vortag war das Papier im nachbörslichen Handel zeitweise zweistellig gefallen. Der Markt reagierte damit nicht nur auf eine einzelne Zahl, sondern auf das Signal, dass Amazon kurzfristig eine sehr hohe Kapitalintensität in Kauf nimmt – ohne dass unmittelbar klar ist, wann sich diese Ausgaben in konkreten Ergebnisbeiträgen widerspiegeln.
Der Vergleich mit anderen Konzernen verschärfte die Debatte zusätzlich. Mit dem angekündigten Budget liegt Amazon laut den Angaben sogar über dem geplanten Investitionsrahmen der Google-Mutter Alphabet. Für Anleger stellt sich damit umso stärker die Frage, ob die Summen in einem angemessenen Verhältnis zu erwartbaren Umsatz- und Cashflow-Effekten stehen.
Goldman sieht kurzfristig Gegenwind durch Investoren-Skepsis
Die Marktreaktion deutet auf einen Wandel in der Wahrnehmung des KI-Booms hin. Lange Zeit wurden hohe KI-Ausgaben als Zeichen von Zukunftsfähigkeit gewertet. Nun rückt stärker in den Vordergrund, ob diese Programme bereits absehbar monetarisiert werden können. Analysten von Goldman Sachs wiesen darauf hin, dass Amazon zunächst darunter leiden dürfte, dass Investoren hohe Investitionen ohne klaren Umsatzerfolg besonders kritisch beurteilen.
Dahinter steckt eine klassische Bewertungslogik: Großprojekte belasten kurzfristig die Kostenbasis und drücken damit auf Gewinnkennzahlen oder freien Cashflow. Gleichzeitig steigt der Druck, später nachzuweisen, dass die Investitionen tatsächlich eine Rendite liefern. Der Kursrutsch bei Amazon verstärkte deshalb die Sorge, dass Technologiewerte im Zuge der KI-Euphorie teils zu ambitioniert bewertet sein könnten. Im Kern bleibt offen, ob und wann sich die sehr hohen Ausgaben für KI und die nötige Infrastruktur vollständig amortisieren.
Hooper: Markt straft hohe KI-Ausgaben stärker ab
Die Nervosität rund um steigende KI-Infrastrukturkosten war laut der Markteinschätzung auch zum Wochenschluss spürbar. Amazon steht dabei nicht allein: Rivalen wie Google und Microsoft erhöhen ihre Investitionen in den Ausbau entsprechender Kapazitäten ebenfalls deutlich. Das intensiviert den Wettbewerb um Rechenzentren, Spezialchips und andere knappe Ressourcen – und erhöht damit die Sensibilität für Kostenexplosionen.
In dieses Bild passt eine Aussage von Kristina Hooper, Chefmarktstrategin bei Man Group. Sie beschreibt eine neue Phase der Kapitalmarktlogik und sagte wörtlich: „Wir befinden uns in einer Phase der klügeren Entscheidungen. Es geht nicht darum, wer von der Künstlichen Intelligenz beeinflusst wird, sondern auch darum, diejenigen zu bestrafen, die viel Geld für KI ausgeben“. Damit ist gemeint: KI bleibt ein dominantes Thema, doch die Bewertungsmaßstäbe verschieben sich – weg von der bloßen Vision, hin zur Frage nach Kapitaldisziplin und messbaren Ergebnissen.Der Kursrückgang war entsprechend deutlich: Die Amazon-Aktien fielen um mehr als acht Prozent und erreichten ein Acht-Monats-Tief. Für Investoren ist das ein Signal, dass der Markt hohe Budgets nicht mehr automatisch als positives Zukunftszeichen interpretiert. Stattdessen steigt die Erwartung, dass Unternehmen zeigen, wie und wann sich die Investitionen in KI in belastbare Erträge umwandeln lassen.

