Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall könnte in Zukunft eingeschränkt werden. Arbeitgeberverbände fordern drastische Maßnahmen, um die Kosten zu senken. Doch Kritiker befürchten negative Folgen für die Arbeitswelt.
Die aktuelle Debatte
Jährlich werden in Deutschland rund 77 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgegeben. Dies sei eine erhebliche Belastung für die Wirtschaft, argumentiert der Präsident der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger. „Deutschland macht es Blaumachern viel zu einfach“, heißt es in einem aktuellen Positionspapier der Arbeitgeber.
Welche Einschnitte sind geplant?
Die Arbeitgeber schlagen verschiedene Maßnahmen vor:
- Begrenzung auf sechs Wochen Lohnfortzahlung pro Jahr, unabhängig von der Anzahl der Krankheitsfälle.
- Kürzung des Krankengeldes auf 80 % des Gehalts.
- Karenztage ohne Bezahlung zur Verringerung von Fehlzeiten.
- Abschaffung von Online-Krankschreibungen, da diese anfällig für Missbrauch seien.
Sind die Fehlzeiten in Deutschland wirklich zu hoch?
Laut Statistiken sind deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt zwischen 15 und 22 Tagen pro Jahr krank. Doch Experten warnen davor, die Zahlen überzubewerten. Nicolas Ziebarth vom ZEW betont: „Viele Länder erfassen Krankheitstage nicht so genau wie Deutschland. Die tatsächlichen Fehlzeiten könnten dort deutlich höher sein.“
Welche Folgen hätte eine Kürzung der Lohnfortzahlung?
Sozialverbände und Arbeitsmarktexperten warnen vor negativen Konsequenzen:
- Mehr krank zur Arbeit: Viele Beschäftigte könnten sich gezwungen sehen, trotz Krankheit zu arbeiten. Das erhöht das Risiko für Ansteckungen im Betrieb und langfristige Gesundheitsprobleme.
- Sinkende Produktivität: Wenn Arbeitnehmer nicht vollständig genesen sind, könnte die Arbeitsleistung sinken.
- Mehr Arbeitsunfälle: Studien aus Schweden und Spanien zeigen, dass striktere Krankheitsregelungen die Unfallhäufigkeit erhöhen können.
- Höhere Lohnforderungen: Eine Reduzierung der Lohnfortzahlung könnte durch Gehaltssteigerungen kompensiert werden, sodass die Einsparungen für Unternehmen geringer ausfallen als erhofft.
Gibt es bessere Lösungen?
Experten plädieren für alternative Ansätze:
- Gezielte Bekämpfung von Missbrauch, etwa durch strengere Regeln für Online-Krankschreibungen.
- Teilzeit-Krankschreibung als flexible Lösung für Arbeitnehmer, die eingeschränkt, aber nicht völlig arbeitsunfähig sind.
- Anreize statt Strafen: Unternehmen könnten Prämien für geringe Fehlzeiten vergeben, um Motivation zu schaffen.
- Investitionen in Gesundheitsprävention, beispielsweise durch betriebliche Impfangebote und Ergonomieprogramme.
Was bedeutet das für Arbeitnehmer?
Eine mögliche Kürzung der Lohnfortzahlung bleibt umstritten. Während Arbeitgeber auf sinkende Kosten hoffen, befürchten Kritiker steigende Gesundheitsrisiken und höhere Belastungen für Beschäftigte. Die Zukunft wird zeigen, ob die Politik den Forderungen nachgibt – oder ob ein ausgewogenerer Ansatz gefunden wird.