{"id":10947,"date":"2026-06-11T07:19:35","date_gmt":"2026-06-11T11:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10947"},"modified":"2026-06-11T07:19:37","modified_gmt":"2026-06-11T11:19:37","slug":"perlon-verkauf-offenbart-deutschlands-industriekrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10947","title":{"rendered":"Perlon-Verkauf offenbart Deutschlands Industriekrise\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mit Perlon geht der n\u00e4chste Weltmarktf\u00fchrer verloren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Verkauf der <strong>Perlon-Gruppe<\/strong> an den chinesischen Faserhersteller <strong>Wuxi Xingda Nylon<\/strong> ist kein gew\u00f6hnlicher Eigent\u00fcmerwechsel. Er steht f\u00fcr eine Entwicklung, die in Deutschland immer bedrohlicher sichtbar wird: Immer mehr industrielle Schl\u00fcsselunternehmen geraten in die Krise und landen schlie\u00dflich in ausl\u00e4ndischen H\u00e4nden, besonders h\u00e4ufig bei Investoren aus <strong>China<\/strong>. Im Fall von Perlon ist das besonders bitter, weil das Unternehmen in seiner Nische als <strong>Weltmarktf\u00fchrer<\/strong> gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perlon stellt synthetische Filamente her, also Kunststofffasern, die in <strong>Papiermaschinen<\/strong>, <strong>B\u00fcrsten<\/strong> und der <strong>Medizintechnik<\/strong> eingesetzt werden. Solche Firmen sind selten prominent, aber oft technologisch hochspezialisiert und f\u00fcr industrielle Lieferketten von gro\u00dfer Bedeutung. Genau deshalb wiegt ihr Verlust schwer. Wenn ein Unternehmen mit Weltmarktstellung nach einer Insolvenz an einen chinesischen K\u00e4ufer geht, dann ist das kein Randereignis mehr. Es ist ein Warnsignal f\u00fcr den gesamten Standort.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Insolvenz war der Wendepunkt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am <strong>1. Oktober 2025<\/strong> begann der Absturz offiziell. Damals musste das Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Das <strong>Amtsgericht Augsburg<\/strong> er\u00f6ffnete daraufhin ein Verfahren in Eigenverwaltung. Inzwischen steht fest, dass die sieben Gesellschaften der Gruppe in <strong>Deutschland<\/strong>, <strong>Polen<\/strong> und <strong>China<\/strong> an <strong>Wuxi Xingda Nylon<\/strong> \u00fcbergehen. \u00dcber den Kaufpreis wurde bisher nichts bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Besch\u00e4ftigten ist das Ergebnis zwiesp\u00e4ltig. Von rund <strong>510 Arbeitspl\u00e4tzen<\/strong> an den drei deutschen Standorten in <strong>Bobingen<\/strong>, <strong>Munderkingen<\/strong> und <strong>Wald-Michelbach<\/strong> sollen etwa <strong>450 Stellen<\/strong> erhalten bleiben. Rund <strong>60 Arbeitspl\u00e4tze<\/strong> fallen weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unmittelbaren Folgen im \u00dcberblick:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>510 Besch\u00e4ftigte<\/strong> an drei deutschen Standorten<\/li>\n\n\n\n<li>etwa <strong>450 Stellen<\/strong> sollen erhalten bleiben<\/li>\n\n\n\n<li>rund <strong>60 Stellen<\/strong> werden gestrichen<\/li>\n\n\n\n<li>deutsche Kontrolle \u00fcber einen Weltmarktf\u00fchrer geht verloren<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Belegschaft ist der Einstieg des Investors ohne Frage besser als eine komplette Zerschlagung. F\u00fcr Deutschland bleibt es trotzdem ein bitterer Verlust.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Perlon scheiterte an den typischen deutschen Standortproblemen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Insolvenz sind leicht zu benennen und zugleich erschreckend typisch. Perlon litt unter einer sinkenden Nachfrage, vor allem im europ\u00e4ischen Markt f\u00fcr <strong>Papiermaschinen<\/strong>, einem wichtigen Absatzfeld des Unternehmens. Gleichzeitig verschlechterten sich die Produktionsbedingungen in Deutschland massiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders belastend waren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>stark gestiegene <strong>Energiekosten<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>deutlich h\u00f6here <strong>Lohnkosten<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>sinkende Nachfrage in wichtigen M\u00e4rkten<\/li>\n\n\n\n<li>wachsender <strong>internationaler Preisdruck<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>aggressive Konkurrenz aus <strong>China<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Mischung ist f\u00fcr Industrieunternehmen hochgef\u00e4hrlich. Wenn Absatzm\u00e4rkte schw\u00e4cheln, die eigenen Kosten steigen und zugleich billigere Wettbewerber auf den Markt dr\u00e4ngen, schrumpft der Spielraum rapide. Selbst technologische St\u00e4rke oder Weltmarktstatus sch\u00fctzen dann nicht mehr zuverl\u00e4ssig vor dem Absturz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Fall Perlon ist kein Einzelfall, sondern ein Muster<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bisherige Eigent\u00fcmer, der M\u00fcnchner Finanzinvestor <strong>Serafin<\/strong> der Unternehmerfamilie <strong>Haindl<\/strong>, zog schlie\u00dflich die Rei\u00dfleine. Doch Perlon ist keineswegs ein isolierter Fall. Das Unternehmen steht exemplarisch f\u00fcr eine immer gr\u00f6\u00dfere Zahl industrieller Mittelst\u00e4ndler, die unter der Last des Standorts zusammenbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders alarmierend ist die Lage in der <strong>Chemieindustrie<\/strong>. Im <strong>zweiten Quartal 2025<\/strong> lag die Produktionsauslastung der Branche bei nur <strong>72 Prozent<\/strong>. So niedrig war sie seit mehr als <strong>drei Jahrzehnten<\/strong> nicht mehr. Das ist ein dramatischer Wert, weil eine dauerhaft so schwache Auslastung kaum noch wirtschaftlich tragf\u00e4hig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen einer solchen Unterauslastung sind gravierend:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Maschinen und Anlagen laufen nicht rentabel<\/li>\n\n\n\n<li>Fixkosten verteilen sich auf zu wenig Produktion<\/li>\n\n\n\n<li>Investitionen werden zur\u00fcckgestellt<\/li>\n\n\n\n<li>Innovation wird ausgebremst<\/li>\n\n\n\n<li>Wettbewerbsf\u00e4higkeit sinkt weiter<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine Schl\u00fcsselbranche \u00fcber l\u00e4ngere Zeit auf diesem Niveau festh\u00e4ngt, dann geht es nicht mehr um eine normale Schw\u00e4chephase. Dann ist das ein strukturelles Problem.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Viele Unternehmen sehen nur noch Preiserh\u00f6hungen als Notl\u00f6sung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben des <strong>Verbands der Chemischen Industrie<\/strong> sehen rund <strong>80 Prozent<\/strong> der befragten Unternehmen <strong>Preiserh\u00f6hungen<\/strong> als letzten Ausweg. Das zeigt, wie bedr\u00e4ngt die Branche inzwischen ist. Denn Preiserh\u00f6hungen sind in einem global umk\u00e4mpften Markt keine echte Rettung, sondern oft eher ein Zeichen daf\u00fcr, dass andere Mittel bereits ausgesch\u00f6pft sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lage wird dadurch noch bedrohlicher. Wer Preise erh\u00f6hen muss, obwohl die Konkurrenz billiger produziert, verschlechtert seine Marktposition zus\u00e4tzlich. Genau daraus entsteht ein Teufelskreis:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>hohe Kosten erzwingen h\u00f6here Preise<\/li>\n\n\n\n<li>h\u00f6here Preise schw\u00e4chen die Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/li>\n\n\n\n<li>sinkende Wettbewerbsf\u00e4higkeit dr\u00fcckt auf die Auslastung<\/li>\n\n\n\n<li>schw\u00e4chere Auslastung versch\u00e4rft die Krise weiter<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perlon ist genau in diesem Umfeld zusammengebrochen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Chinesische Investoren kaufen gezielt angeschlagene Firmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders brisant ist, wie sich chinesische \u00dcbernahmen in Deutschland ver\u00e4ndert haben. Es geht l\u00e4ngst nicht mehr nur um Beteiligungen an gesunden oder wachsenden Unternehmen. Immer h\u00e4ufiger greifen chinesische Investoren nach finanziell ausgezehrten oder bereits insolventen Mittelst\u00e4ndlern. Der Grund liegt auf der Hand: Solche Firmen lassen sich deutlich g\u00fcnstiger \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen <strong>2006<\/strong> und <strong>2021<\/strong> beteiligten sich chinesische Investoren an rund <strong>442 deutschen Unternehmen<\/strong> oder \u00fcbernahmen sie vollst\u00e4ndig. Diese Zahl zeigt die Gr\u00f6\u00dfenordnung. Noch wichtiger ist aber der Wandel des Musters:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>fr\u00fcher eher Beteiligungen an interessanten Technologieunternehmen<\/li>\n\n\n\n<li>heute zunehmend K\u00e4ufe angeschlagener oder insolventer Mittelst\u00e4ndler<\/li>\n\n\n\n<li>Erwerb oft dann, wenn finanzielle Reserven fast aufgebraucht sind<\/li>\n\n\n\n<li>g\u00fcnstige \u00dcbernahmen bei gleichzeitig hohem technologischem Nutzen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perlon passt genau in dieses Bild. Das Unternehmen war technologisch wertvoll, wirtschaftlich geschw\u00e4cht und damit ein idealer \u00dcbernahmekandidat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch andere Weltmarktf\u00fchrer gehen verloren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perlon ist nicht der einzige prominente Fall. Erst vor wenigen Wochen wechselte auch die <strong>Mayer &amp; Cie. GmbH &amp; Co. KG<\/strong> aus <strong>Albstadt<\/strong> in chinesischen Besitz. Auch dort handelt es sich um einen traditionsreichen Maschinenbauer mit Weltmarktstellung. Solche Beispiele verdichten sich inzwischen zu einem Muster, das sich kaum noch wegdiskutieren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stellt sich eine unangenehme Frage: Verliert Deutschland nicht nur einzelne Firmen, sondern schrittweise ganze industrielle Kompetenzfelder?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>China dr\u00e4ngt nicht nur \u00fcber \u00dcbernahmen, sondern auch \u00fcber den Handel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00dcbernahmen sind nur eine Front. Die andere ist der Au\u00dfenhandel. Chinesische Unternehmen dr\u00e4ngen mit billigen Exportg\u00fctern immer st\u00e4rker auf den deutschen Markt. Die Zahlen f\u00fcr <strong>2025<\/strong> sind eindeutig:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>deutsche <strong>Importe aus China<\/strong>: <strong>170,6 Milliarden Euro<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Anstieg um <strong>8,8 Prozent<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>deutsche <strong>Exporte nach China<\/strong>: <strong>81,3 Milliarden Euro<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>R\u00fcckgang um <strong>9,7 Prozent<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Handelsdefizit mit China: <strong>89,3 Milliarden Euro<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>im Vorjahr noch <strong>66,9 Milliarden Euro<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist das Defizit in nur einem Jahr massiv gestiegen. Das ist kein normaler Ausschlag mehr. Es ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass Deutschland in immer mehr Bereichen Marktanteile verliert, w\u00e4hrend China sie gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschlands Industrie ger\u00e4t von zwei Seiten unter Druck<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bild ist deshalb so d\u00fcster, weil sich zwei Entwicklungen gleichzeitig verst\u00e4rken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>deutsche Firmen geraten durch hohe Kosten und schwache Nachfrage in die Krise<\/li>\n\n\n\n<li>chinesische Investoren und Exporteure nutzen diese Schw\u00e4che konsequent aus<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall Perlon macht genau diese doppelte Bewegung sichtbar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ein deutscher <strong>Weltmarktf\u00fchrer<\/strong> ger\u00e4t in Insolvenz<\/li>\n\n\n\n<li>der K\u00e4ufer kommt aus <strong>China<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>gleichzeitig w\u00e4chst das Handelsdefizit mit China auf Rekordniveau<\/li>\n\n\n\n<li>deutsche Wettbewerbsf\u00e4higkeit sinkt sichtbar<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verliert Deutschland nicht nur Eigentum, sondern Schritt f\u00fcr Schritt industrielle Substanz, technologische Kontrolle und wirtschaftliche Selbstst\u00e4ndigkeit. Perlon ist in diesem Sinne nicht nur ein Unternehmensfall. Es ist ein weiteres Kapitel in einem viel gr\u00f6\u00dferen industriellen Ausverkauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Perlon geht der n\u00e4chste Weltmarktf\u00fchrer verloren Der Verkauf der Perlon-Gruppe an den chinesischen Faserhersteller Wuxi Xingda Nylon ist kein gew\u00f6hnlicher Eigent\u00fcmerwechsel. Er steht f\u00fcr eine Entwicklung, die in Deutschland immer bedrohlicher sichtbar wird: Immer mehr industrielle Schl\u00fcsselunternehmen geraten in die Krise und landen schlie\u00dflich in ausl\u00e4ndischen H\u00e4nden, besonders h\u00e4ufig bei Investoren aus China. 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