{"id":10909,"date":"2026-06-09T10:58:05","date_gmt":"2026-06-09T14:58:05","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10909"},"modified":"2026-06-09T10:58:06","modified_gmt":"2026-06-09T14:58:06","slug":"putins-alte-partner-wenden-sich-immer-offener-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10909","title":{"rendered":"Putins alte Partner wenden sich immer offener ab"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Armenien, Moldau und Kasachstan l\u00f6sen sich aus Moskaus Schatten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Russlands Macht im postsowjetischen Raum br\u00f6ckelt sichtbar. Staaten, die jahrzehntelang als verl\u00e4ssliche Partner, Schutzbefohlene oder still abh\u00e4ngige Nachbarn Moskaus galten, gehen zunehmend auf Abstand. Das geschieht nicht immer mit gro\u00dfen Gesten, aber mit klaren Entscheidungen. <strong>Armenien<\/strong>, <strong>Moldau<\/strong> und <strong>Kasachstan<\/strong> zeigen besonders deutlich, dass der Krieg gegen die <strong>Ukraine<\/strong> nicht nur Russland selbst belastet, sondern auch seine Stellung im ehemaligen sowjetischen Einflussraum aush\u00f6hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was fr\u00fcher Furcht, Gewohnheit oder strategische Notwendigkeit war, wird nun St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck durch Misstrauen ersetzt. Der Kreml wirkt in den Augen vieler fr\u00fcherer Verb\u00fcndeter nicht mehr wie ein Garant f\u00fcr Ordnung, sondern wie ein Machtzentrum, das eigene Interessen verfolgt, Zusagen nicht einh\u00e4lt und seine Rolle als Schutzmacht eingeb\u00fc\u00dft hat. Genau daraus entsteht nun eine stille, aber tiefgreifende Absetzbewegung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Armenien erlebt sein b\u00f6ses Erwachen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders schmerzhaft verlief dieser Prozess in <strong>Armenien<\/strong>. Das kleine Land im S\u00fcdkaukasus galt \u00fcber Jahrzehnte als einer der treuesten Partner Russlands. Milit\u00e4risch war Eriwan stark von Moskau abh\u00e4ngig, wirtschaftlich eng verflochten und sicherheitspolitisch in die von Russland dominierte <strong>OVKS<\/strong> eingebunden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"520\" src=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-11.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10913\" srcset=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-11.png 1000w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-11-300x156.png 300w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-11-768x399.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch dieses Verh\u00e4ltnis bekam tiefe Risse. Bereits mit dem Amtsantritt von <strong>Nikol Paschinjan<\/strong> begann sich Armenien vorsichtig nach Westen zu \u00f6ffnen. Der eigentliche Bruch kam jedoch mit <strong>Bergkarabach<\/strong>. Als <strong>Aserbaidschan<\/strong> im Jahr <strong>2020<\/strong> unter den Augen russischer Friedenstruppen die von Armeniern bewohnte Region zur\u00fcckeroberte, blieb Moskau unt\u00e4tig. Im russischen Staatsfernsehen wurde der Krieg nur als <strong>\u201eZwischenfall an der Grenze\u201c<\/strong> abgetan.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch gravierender wurde der Schock <strong>drei Jahre sp\u00e4ter<\/strong>. Aserbaidschan nahm auch die restlichen armenisch kontrollierten Gebiete ein. Rund <strong>100.000 Armenier<\/strong> wurden vertrieben. Wieder griff Russland nicht ein. F\u00fcr viele Armenier, auch f\u00fcr moskaufreundliche Kreise, war das ein politisches Erweckungserlebnis. Die angebliche Schutzmacht erwies sich im Ernstfall als leere H\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eriwan zeigt Moskau offen die Z\u00e4hne<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die neue H\u00e4rte Armeniens zeigt sich inzwischen nicht nur in langfristigen Entscheidungen, sondern auch im politischen Stil. Vor den Wahlen setzte die Regierung Paschinjans ein deutliches Zeichen Richtung Moskau. Wegen Berichten \u00fcber m\u00f6glichen Stimmenkauf drohte sie aus Russland einreisenden Armeniern mit Einberufung zu Reserve\u00fcbungen. Das Verteidigungsministerium stellte daf\u00fcr sogar Milit\u00e4rpolizisten am Flughafen von <strong>Jerewan<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ma\u00dfnahme war mehr als Wahlkampfkulisse. Sie war eine offene Warnung an alle, die glaubten, Armenien lasse sich weiter wie ein abh\u00e4ngiger Randstaat behandeln. Zuvor hatte <strong>Wladimir Putin<\/strong> Armenien mit einem <strong>Ukraine-Szenario<\/strong> gedroht, zugleich wurden armenische Exporte nach Russland eingeschr\u00e4nkt. Der Ton war scharf, die Reaktion aus Jerewan ebenfalls. So deutlich war das Verh\u00e4ltnis zwischen beiden Seiten seit Jahrzehnten nicht mehr besch\u00e4digt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Bruch mit Russland wird auch milit\u00e4risch sichtbar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Distanzierung Armeniens l\u00e4sst sich inzwischen sogar in harten R\u00fcstungszahlen messen. Zwischen <strong>2011 und 2020<\/strong> bezog Armenien noch <strong>94 Prozent<\/strong> seiner Milit\u00e4rtechnik aus Russland. Im Jahr <strong>2024<\/strong> lag der Anteil Moskaus nur noch bei rund <strong>10 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politischen Schritte dazu folgten rasch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Im <strong>Februar 2024<\/strong> erkl\u00e4rte Paschinjan, die OVKS ruhe in Bezug auf Armenien<\/li>\n\n\n\n<li>Armenien fror seine Teilnahme an dem B\u00fcndnis ein<\/li>\n\n\n\n<li>im Wahlkampf warb Paschinjan offen f\u00fcr eine st\u00e4rkere <strong>Ann\u00e4herung an Europa<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr verlangt er dem Land allerdings bittere Zugest\u00e4ndnisse ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>der Anspruch auf <strong>Bergkarabach<\/strong> wird faktisch aufgegeben<\/li>\n\n\n\n<li>ein Frieden mit <strong>Aserbaidschan<\/strong> und der <strong>T\u00fcrkei<\/strong> wird h\u00f6her gewichtet<\/li>\n\n\n\n<li>durch armenisches Gebiet soll k\u00fcnftig eine Handelsroute von Aserbaidschan in die T\u00fcrkei verlaufen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Paschinjan verkaufte diesen Kurs als Befreiung aus einer jahrzehntealten <strong>\u201eFalle\u201c<\/strong>. Die W\u00e4hler folgten ihm offenbar. Seine Partei <strong>Zivilvertrag<\/strong> erreichte laut Wahlkommission <strong>49,8 Prozent<\/strong>, der prorussische Block <strong>Starkes Armenien<\/strong> nur <strong>23,3 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Moldau zieht den Schlussstrich viel offener<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Armenien noch ringt und austariert, hat <strong>Moldau<\/strong> den Bruch mit der alten postsowjetischen Ordnung deutlich offensiver vollzogen. Am <strong>2. April 2026<\/strong> beschloss das Parlament in <strong>Chi\u0219in\u0103u<\/strong> mit <strong>60 von 101 Stimmen<\/strong> den endg\u00fcltigen Austritt aus der <strong>GUS<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10912\" srcset=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-10.png 1000w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-10-300x200.png 300w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-10-768x512.png 768w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-10-555x370.png 555w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Allein die Wortwahl aus Moldau zeigt, wie endg\u00fcltig diese Abkehr gemeint ist. Parlamentspr\u00e4sident <strong>Igor Grosu<\/strong> hatte den Austritt bereits <strong>2023<\/strong> mit drastischen Worten angek\u00fcndigt: <strong>\u201eWir alle wollen aus diesem Leichnam heraus, aus dieser Totheit.\u201c<\/strong> Diese Formulierung ist politisch vernichtend. Sie macht klar, dass Moldau die GUS nicht mehr als Raum gemeinsamer Zukunft betrachtet, sondern als totes Relikt russischer Vorherrschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4sidentin <strong>Maja Sandu<\/strong> orientiert das Land seit Jahren Richtung <strong>Br\u00fcssel<\/strong> und pflegt enge Kontakte zur <strong>Ukraine<\/strong>. Langfristig soll Moldau zusammen mit der Ukraine der <strong>EU<\/strong> beitreten. Damit ist klar: Chi\u0219in\u0103u will nicht nur etwas Abstand zu Russland, sondern einen strategischen Kurswechsel.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Selbst Transnistrien verliert als russisches Druckmittel an Wirkung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Lange galt <strong>Transnistrien<\/strong> als das klassische Faustpfand des Kremls gegen Moldau. Die russischsprachige Region konnte jederzeit als Hebel gegen Chi\u0219in\u0103u eingesetzt werden. Doch selbst dieses Mittel stumpft inzwischen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland wollte im Zuge seines Kriegs gegen die Ukraine urspr\u00fcnglich offenbar eine Landverbindung bis nach <strong>Tiraspol<\/strong> schaffen. Nach dem Scheitern dieser Strategie steht Transnistrien nun eher vor einer m\u00f6glichen R\u00fcckanbindung an Moldau als vor einer weiteren Verfestigung seiner Abspaltung. Auch die Ukraine hat ein Interesse daran, diesen russischen Einflussrest endg\u00fcltig zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit verliert Moskau in Moldau nicht nur politischen Einfluss, sondern auch sein jahrzehntelang wirksamstes Druckinstrument.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kasachstan geht vorsichtiger, aber ebenfalls auf Distanz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch in <strong>Kasachstan<\/strong> hat sich der Ton ver\u00e4ndert. Das bev\u00f6lkerungsreichste Land Zentralasiens ist formal weiter OVKS-Mitglied und teilt mit Russland eine mehr als <strong>7.000 Kilometer<\/strong> lange Grenze. Hinzu kommt eine gro\u00dfe russische Minderheit. Gerade deshalb f\u00e4llt jeder Schritt der Distanzierung dort besonders ins Gewicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"502\" src=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-9.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10911\" srcset=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-9.png 1000w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-9-300x151.png 300w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-9-768x386.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4sident <strong>Kassym-Schomart Tokajew<\/strong> verfolgt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine einen bemerkenswert eigenst\u00e4ndigen Kurs. Zu den Signalen geh\u00f6ren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Absage der Milit\u00e4rparade am <strong>9. Mai<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>die Weigerung, russisch besetzte ukrainische Gebiete anzuerkennen<\/li>\n\n\n\n<li>die engere Zusammenarbeit mit der <strong>T\u00fcrkei<\/strong> und anderen Regionalpartnern<\/li>\n\n\n\n<li>der Versuch, neue Transportwege f\u00fcr <strong>\u00d6l<\/strong> und <strong>Gas<\/strong> \u00fcber das <strong>Kaspische Meer<\/strong> nach Europa aufzubauen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das ist f\u00fcr Russland heikel. Bislang leitete Moskau auch kasachisches \u00d6l weiter nach Europa, unter anderem zur Raffinerie in <strong>Schwedt<\/strong>. Wegen der wachsenden Spannungen drehte Russland <strong>Astana<\/strong> jedoch zuletzt sogar den Hahn zu. Genau dadurch steigt in Kasachstan der Wille, sich aus dieser Abh\u00e4ngigkeit zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Turkstaaten setzen nicht mehr auf Moskau<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders aufschlussreich ist eine Entwicklung in der <strong>Organisation der Turkstaaten<\/strong>. Laut einem Bericht ukrainischer Geheimdienste kamen <strong>Aserbaidschan<\/strong>, <strong>Kasachstan<\/strong>, <strong>Kirgisistan<\/strong>, die <strong>T\u00fcrkei<\/strong> und <strong>Usbekistan<\/strong> zu dem Schluss: <strong>\u201eMoskau ist kein Garant f\u00fcr Stabilit\u00e4t mehr.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussage ist politisch von enormem Gewicht. Denn sie zeigt, dass die Distanzierung von Russland nicht mehr nur aus einzelnen Staaten heraus w\u00e4chst, sondern auch regionale B\u00fcndnislogiken ver\u00e4ndert. Wenn fr\u00fchere Partner beginnen, sich <strong>\u201eausschlie\u00dflich auf ihre eigenen F\u00e4higkeiten zu st\u00fctzen\u201c<\/strong>, dann verliert Moskau nicht nur Einfluss, sondern seine Rolle als ordnendes Zentrum.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Russland verliert leise seinen Hinterhof<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Armenien, Moldau und Kasachstan zeigen auf unterschiedliche Weise dasselbe Muster:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Russland wirkt milit\u00e4risch \u00fcberdehnt<\/li>\n\n\n\n<li>politische Zusagen verlieren an Glaubw\u00fcrdigkeit<\/li>\n\n\n\n<li>fr\u00fchere Partner suchen neue B\u00fcndnisse und neue Handelswege<\/li>\n\n\n\n<li>regionale Akteure organisieren sich zunehmend ohne Moskau<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Gerade das macht diese Entwicklung f\u00fcr den Kreml so gef\u00e4hrlich. Sie verl\u00e4uft nicht in Form spektakul\u00e4rer Aufst\u00e4nde gegen Russland, sondern als schleichende Entleerung seines Einflussraums. Und genau solche Prozesse sind oft schwerer r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen als offene Konflikte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armenien, Moldau und Kasachstan l\u00f6sen sich aus Moskaus Schatten Russlands Macht im postsowjetischen Raum br\u00f6ckelt sichtbar. Staaten, die jahrzehntelang als verl\u00e4ssliche Partner, Schutzbefohlene oder still abh\u00e4ngige Nachbarn Moskaus galten, gehen zunehmend auf Abstand. Das geschieht nicht immer mit gro\u00dfen Gesten, aber mit klaren Entscheidungen. 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