{"id":10860,"date":"2026-05-28T09:19:06","date_gmt":"2026-05-28T13:19:06","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10860"},"modified":"2026-05-28T09:19:07","modified_gmt":"2026-05-28T13:19:07","slug":"65-000-kleine-laeden-sind-bereits-verschwunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10860","title":{"rendered":"65.000 kleine L\u00e4den sind bereits verschwunden"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Zentren vieler St\u00e4dte geraten sichtbar ins Rutschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Deutschlands Innenst\u00e4dte verlieren seit Jahren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ihr vertrautes Gesicht. Besonders hart trifft es die kleinen, oft inhabergef\u00fchrten Gesch\u00e4fte. Seit <strong>2010<\/strong> sind nach einer aktuellen Analyse von <strong>Creditreform<\/strong> und dem <strong>Handelsblatt Research Institute<\/strong> rund <strong>65.000 kleine Einzelhandelsl\u00e4den<\/strong> vom Markt verschwunden. Damals gab es noch <strong>236.143 Gesch\u00e4fte<\/strong> mit Jahresums\u00e4tzen von weniger als <strong>250.000 Euro<\/strong>. F\u00fcr <strong>2025<\/strong> werden nur noch <strong>170.770<\/strong> ausgewiesen. Das ist ein R\u00fcckgang von <strong>28 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung ist weit mehr als eine n\u00fcchterne Branchenzahl. Denn mit den kleinen L\u00e4den verschwinden oft gerade jene Gesch\u00e4fte, die Innenst\u00e4dte unverwechselbar machen: der Buchladen an der Ecke, das kleine Modegesch\u00e4ft, das Fachgesch\u00e4ft mit pers\u00f6nlicher Beratung, die traditionsreiche B\u00e4ckerei. Wenn diese Betriebe wegbrechen, bleiben nicht nur freie Fl\u00e4chen zur\u00fcck, sondern auch ein Verlust an Charakter, Bindung und urbaner Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der kleine Handel bricht viel schneller ein als der Rest<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders alarmierend ist der Vergleich mit dem gesamten Einzelhandel. \u00dcber alle Gr\u00f6\u00dfenklassen hinweg sank die Zahl der Gesch\u00e4fte im selben Zeitraum um <strong>16 Prozent<\/strong>. Bei den kleinen L\u00e4den liegt das Minus mit <strong>28 Prozent<\/strong> also deutlich h\u00f6her. Genau das zeigt, wo die eigentliche Verwundung sitzt. Nicht der Handel insgesamt kollabiert zuerst, sondern sein kleinteiliges, lokales und oft eigent\u00fcmergef\u00fchrtes Fundament.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt blieben nach diesen Berechnungen noch gut <strong>316.000 Gesch\u00e4fte<\/strong> \u00fcbrig. Doch diese Zahl darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Struktur immer einseitiger wird. Je mehr kleine L\u00e4den verschwinden, desto st\u00e4rker dominieren Ketten, Filialisten, Discounter und Leerst\u00e4nde das Bild. Die Innenstadt verliert dadurch nicht nur Anbieter, sondern auch ihre Eigenart.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Creditreform spricht von einem Strukturbruch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Wirtschaftsauskunftei <strong>Creditreform<\/strong> beschreibt die Entwicklung als tiefgreifenden Strukturbruch. Der Einzelhandel geh\u00f6re zu den am st\u00e4rksten schrumpfenden Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Besonders betroffen seien <strong>Fachgesch\u00e4fte in Innenst\u00e4dten<\/strong>, <strong>Nebenstra\u00dfen<\/strong> und <strong>Einkaufszentren<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Creditreform-\u00d6konom <strong>Patrik-Ludwig Hantzsch<\/strong> benennt eine ganze Kette von Ursachen. Dazu z\u00e4hlen <strong>Inflation<\/strong>, <strong>Kaufzur\u00fcckhaltung<\/strong>, <strong>steigende Betriebskosten<\/strong> und wachsender <strong>Konkurrenzdruck<\/strong>. Vor allem kleinere und mittelst\u00e4ndische Unternehmen h\u00e4tten kaum noch finanzielle Reserven. Genau darin liegt die besondere H\u00e4rte dieser Entwicklung. Gro\u00dfe Anbieter k\u00f6nnen schlechtere Phasen oft noch abfedern. Kleine H\u00e4ndler dagegen geraten sehr viel schneller an den Punkt, an dem die Luft ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Pleitewelle l\u00e4uft weiter<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wie tief die Krise bereits reicht, zeigt der Blick auf die Insolvenzen. Im Jahr <strong>2025<\/strong> gingen <strong>2.440 H\u00e4ndler<\/strong> pleite. Das waren <strong>neun Prozent mehr<\/strong> als im Vorjahr. Schon <strong>2024<\/strong> hatte es einen deutlichen Anstieg gegeben. Die Entwicklung ist also kein Ausrei\u00dfer, sondern Teil eines anhaltenden Niedergangs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberdurchschnittlich betroffen waren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Modeh\u00e4ndler<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Buchl\u00e4den<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Backgesch\u00e4fte<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>S\u00fc\u00dfwarengesch\u00e4fte<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Gerade diese Branchen stehen oft f\u00fcr jene kleinteilige Mischung aus Alltag, Atmosph\u00e4re und pers\u00f6nlicher N\u00e4he, die Innenst\u00e4dte lebendig h\u00e4lt. Wenn ausgerechnet sie \u00fcberproportional wegbrechen, wird sichtbar, wie tief die Krise bereits in das Herz vieler Stadtzentren hineingefressen hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Handelsverband warnt vor Kipppunkten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der <strong>Handelsverband Deutschland<\/strong> sieht die Entwicklung mit wachsender Sorge. Nach seiner Einsch\u00e4tzung k\u00f6nnte die Zahl der Gesch\u00e4fte <strong>2026<\/strong> erstmals unter die Marke von <strong>300.000<\/strong> sinken. Das w\u00e4re nicht nur ein weiterer statistischer R\u00fcckgang, sondern ein symbolischer Tiefpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>HDE-Pr\u00e4sident <strong>Alexander von Preen<\/strong> warnte deutlich: <strong>\u201eSo kann und darf es nicht weitergehen.\u201c<\/strong> Nach seiner Einsch\u00e4tzung erreichen immer mehr Innenst\u00e4dte Kipppunkte. Der Einzelhandel sei <strong>\u201edas R\u00fcckgrat lebendiger Innenst\u00e4dte\u201c<\/strong>. Wenn dieses R\u00fcckgrat weiter wegbricht, verlieren Zentren an Attraktivit\u00e4t, Besucherfrequenz und wirtschaftlicher Tragf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Leerstand zieht ganze Stra\u00dfenz\u00fcge nach unten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wie sch\u00e4dlich leerstehende Ladenlokale f\u00fcr St\u00e4dte sind, belegt eine Untersuchung des <strong>Instituts f\u00fcr Handelsforschung K\u00f6ln<\/strong>. Leerstand schreckt Besucher ab, besch\u00e4digt das Image einer Stadt und senkt die Frequenz in den Zentren. Das bleibt nicht ohne finanzielle Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Berechnungen des Instituts verliert eine Kommune pro leerstehendem Gesch\u00e4ft im Schnitt <strong>12.485 Euro<\/strong> an Einnahmen. Dazu kommen weitere Folgesch\u00e4den:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>soziale Belastungen<\/li>\n\n\n\n<li>Wertverluste bei Immobilien<\/li>\n\n\n\n<li>Umsatzeinbu\u00dfen benachbarter L\u00e4den<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ein leeres Ladenlokal ist damit nicht blo\u00df ein optischer Makel. Es wirkt wie ein Beschleuniger des Verfalls. Wo Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen, sinkt die Frequenz. Wo die Frequenz sinkt, geraten weitere Gesch\u00e4fte unter Druck. Genau so kippen Stra\u00dfenz\u00fcge und ganze Zentren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Discounter erobern immer mehr Alltagsbereiche<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlichen Druck erzeugen <strong>Non-Food-Discounter<\/strong> wie <strong>Action<\/strong>, <strong>Tedi<\/strong>, <strong>Hema<\/strong>, <strong>Woolworth<\/strong> oder <strong>Thomas Philipps<\/strong>. Sie gewinnen in Bereichen wie <strong>Haushalt<\/strong>, <strong>Deko<\/strong>, <strong>Heimtextilien<\/strong>, <strong>Schreibwaren<\/strong>, <strong>Spielzeug<\/strong>, <strong>Multimedia<\/strong> und <strong>Baumarktartikeln<\/strong> stetig Marktanteile.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer <strong>IfH-Umfrage<\/strong> haben in den vergangenen zwei Jahren <strong>85 Prozent<\/strong> der Bundesb\u00fcrger bei einem Non-Food-Discounter eingekauft. Diese Zahl zeigt, wie tief diese Anbieter bereits in den Konsumalltag eingesickert sind. Viele Kunden kaufen dort zudem Produkte, die urspr\u00fcnglich gar nicht geplant waren. Genau dieser spontane Mitnahmeeffekt entzieht kleinen Fachh\u00e4ndlern zus\u00e4tzliche Ums\u00e4tze, die fr\u00fcher bei ihnen gelandet w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Innenst\u00e4dte verlieren ihre Unverwechselbarkeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>HDE-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer <strong>Stefan Genth<\/strong> formuliert die kulturelle Seite der Krise besonders klar. Er sagte: <strong>\u201eMit dem Niedergang der kleineren Fachh\u00e4ndler verlieren viele Innenst\u00e4dte ihre Unverwechselbarkeit und damit ihr Herz.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Satz trifft den Kern der Entwicklung. Wenn individuelle H\u00e4ndler verschwinden und durch standardisierte Konzepte, Billigketten oder leere Schaufenster ersetzt werden, dann verliert eine Stadt ihr eigenes Gesicht. Innenst\u00e4dte sehen dann immer \u00e4hnlicher aus, aber nicht lebendiger. Was bleibt, ist Austauschbarkeit. Und Austauschbarkeit ist f\u00fcr Stadtzentren oft der Anfang des Abstiegs.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Politik, Vermieter und H\u00e4ndler stehen unter Zugzwang<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Handelsverband fordert deshalb bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. <strong>Alexander von Preen<\/strong> verlangt niedrigere Energie- und Besch\u00e4ftigungskosten. W\u00f6rtlich sagte er: <strong>\u201eDie Stromsteuer muss endlich f\u00fcr alle runter, bei den Lohnnebenkosten braucht es einen Deckel bei 40 Prozent.\u201c<\/strong> Auch die Vermieter seien gefordert. Sie m\u00fcssten sich st\u00e4rker auf <strong>umsatzorientierte Mieten<\/strong> einlassen, weil Leerstand niemandem n\u00fctze.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch die H\u00e4ndler selbst stehen unter Druck, sich neu aufzustellen. Nach Einsch\u00e4tzung von Creditreform m\u00fcssen kleine Gesch\u00e4fte st\u00e4rker auf <strong>Beratung<\/strong>, <strong>Spezialisierung<\/strong>, <strong>Kundenn\u00e4he<\/strong> und <strong>digitale Pr\u00e4senz<\/strong> setzen. Hantzsch brachte das hart auf den Punkt: <strong>\u201eWer als kleiner H\u00e4ndler austauschbar bleibt, wird es k\u00fcnftig schwer haben.\u201c<\/strong>K\u00fcnftig wird die klassische Einkaufsinnenstadt allein vielerorts nicht mehr tragen. St\u00e4dte werden st\u00e4rker <strong>Einkauf<\/strong>, <strong>Freizeit<\/strong>, <strong>Gastronomie<\/strong> und <strong>Wohnen<\/strong> miteinander verkn\u00fcpfen m\u00fcssen. Sonst droht vielen Zentren ein weiterer Verlust an Frequenz, Profil und wirtschaftlicher Substanz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zentren vieler St\u00e4dte geraten sichtbar ins Rutschen Deutschlands Innenst\u00e4dte verlieren seit Jahren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ihr vertrautes Gesicht. 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