{"id":10810,"date":"2026-05-20T12:27:12","date_gmt":"2026-05-20T16:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10810"},"modified":"2026-05-20T12:27:12","modified_gmt":"2026-05-20T16:27:12","slug":"xi-und-putin-in-geschlossenheit-aber-nicht-gleichrangig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10810","title":{"rendered":"Xi und Putin in Geschlossenheit, aber nicht gleichrangig"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Peking inszeniert N\u00e4he und markiert zugleich die Rangordnung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Besuch von <strong>Wladimir Putin<\/strong> bei <strong>Xi Jinping<\/strong> wurde in Peking mit demonstrativer Herzlichkeit inszeniert. Der chinesische Staatschef lobte die Beziehungen beider L\u00e4nder auffallend offen und stellte Russland als stabilisierenden Faktor in einer unruhigen Welt dar. Gemeinsam warnten beide Seiten vor einem R\u00fcckfall in das <strong>\u201eGesetz des Dschungels\u201c<\/strong> und beschrieben die internationale Lage als von schweren Verwerfungen gepr\u00e4gt. Nach au\u00dfen wirkte das Treffen wie ein Beweis unersch\u00fctterlicher Partnerschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch genau hier beginnt der zweite, wichtigere Teil dieser Begegnung. Denn hinter der freundlichen Fassade wird das Machtgef\u00e4lle zwischen beiden Staaten immer sichtbarer. Russland bleibt f\u00fcr China n\u00fctzlich, politisch wie rohstoffwirtschaftlich. Aber es ist l\u00e4ngst nicht mehr der Partner auf Augenh\u00f6he, als der es in der offiziellen Symbolik erscheint. Peking gibt den Ton vor, Moskau passt sich an. Diese Verschiebung war bei dem Besuch deutlicher zu erkennen als die warmen Worte zun\u00e4chst vermuten lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Xi schie\u00dft gegen den Westen und adelt Moskau<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Xi nutzte das Treffen, um seine Kritik an der internationalen Entwicklung zu sch\u00e4rfen. Er sprach von <strong>\u201emiteinander verwobenen Turbulenzen und Umbr\u00fcchen\u201c<\/strong> und warnte vor <strong>\u201eeinseitigen Hegemonialbestrebungen\u201c<\/strong>, die sich immer weiter ausbreiteten. In diesem Zusammenhang hoben China und Russland ihre enge strategische Koordinierung erneut hervor. Russland wurde von Xi als Kraft der <strong>\u201eRuhe inmitten des Chaos\u201c<\/strong> beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit schickte Peking gleich mehrere Botschaften. Zum einen stellte sich Xi demonstrativ an die Seite Moskaus. Zum anderen setzte er ein Signal gegen die USA und gegen die westliche F\u00fchrungsrolle insgesamt. Nach dem kurz zuvor erfolgten Besuch von <strong>Donald Trump<\/strong> in China war das auch diplomatisch bemerkenswert. Xi machte deutlich, dass Russland f\u00fcr China weiterhin ein wichtiger geopolitischer Bezugspunkt bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Worte der N\u00e4he verdecken ein wachsendes Ungleichgewicht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz der beschworenen Einigkeit spricht viel daf\u00fcr, dass die Beziehungen zwischen China und Russland immer einseitiger werden. Der Innsbrucker Politikwissenschaftler <strong>Gerhard Mangott<\/strong> beschreibt Russland als <strong>\u201eeine abh\u00e4ngige Variable in einer immer st\u00e4rker asymmetrischen Beziehung\u201c<\/strong> mit China. Diese Einsch\u00e4tzung trifft den Kern der Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland braucht China als Absatzmarkt, als politischen R\u00fcckhalt und als wirtschaftliches Ventil weit dringender, als China Russland braucht. Peking kann auf Moskau setzen, wenn es geopolitisch n\u00fctzlich ist. Doch es muss es nicht um jeden Preis. Gerade diese Verschiebung macht Putins Lage heikel. Er wird h\u00f6flich empfangen, aber er verhandelt zunehmend aus der schw\u00e4cheren Position heraus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Trumps Ton gegen\u00fcber China ver\u00e4ndert Putins Wert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Kreml ist die Entwicklung auch deshalb unerquicklich, weil <strong>Donald Trump<\/strong> Peking zuletzt auffallend entgegenkam. Der US-Pr\u00e4sident zeigte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Chinas Ziel einer R\u00fcckangliederung <strong>Taiwans<\/strong>. Zugleich entstand der Eindruck, dass weitere Waffenlieferungen an Taiwan nicht mehr mit derselben Entschlossenheit verfolgt werden wie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ver\u00e4ndert die strategische Lage. Wenn Washington China in Teilen mehr Spielraum l\u00e4sst, etwa im <strong>s\u00fcdchinesischen Meer<\/strong> und im pazifischen Vorfeld, dann steigt Xis au\u00dfenpolitische Bewegungsfreiheit. Aus chinesischer Sicht bleibt Russland zwar als Partner gegen amerikanische Dominanz n\u00fctzlich. Aber wenn die USA und China in einzelnen Punkten weniger konfrontativ auftreten, verliert Moskau tagespolitisch an Gewicht. F\u00fcr Putin ist das gef\u00e4hrlich. Denn sein Nutzen f\u00fcr Peking sinkt in dem Ma\u00dfe, in dem Xi seine Ziele auch ohne Russland leichter verfolgen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Putin wirbt mit Energie und Rohstoffen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Putin versuchte in Peking erkennbar, die Bedeutung Russlands \u00fcber den Energiesektor zu unterstreichen. Er erkl\u00e4rte, die <strong>\u201etreibende Kraft der wirtschaftlichen Zusammenarbeit\u201c<\/strong> sei die russisch-chinesische Kooperation im Energiebereich. Immer wieder lenkte er das Gespr\u00e4ch auf \u00d6l, Gas und Rohstoffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nachvollziehbar. Die Spannungen im Nahen Osten und die Folgen der <strong>Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus<\/strong> erh\u00f6hen den Wert verl\u00e4sslicher Lieferanten. Putin formulierte es entsprechend offensiv: <strong>\u201eInmitten der Krise im Nahen Osten beh\u00e4lt Russland weiterhin seine Rolle als zuverl\u00e4ssiger Rohstofflieferant, w\u00e4hrend China ein verantwortungsvoller Abnehmer dieser Rohstoffe bleibt.\u201c<\/strong> Damit wollte er Russlands Unverzichtbarkeit betonen und die eigene Rolle gegen\u00fcber Xi aufwerten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Xi setzt die Themen breiter und strategischer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Xi widersprach dem nicht offen, setzte aber andere Priorit\u00e4ten. Er forderte eine <strong>\u201evollst\u00e4ndige Einstellung der Feindseligkeiten\u201c<\/strong> im Nahen Osten und erkl\u00e4rte, dies werde helfen, <strong>\u201eSt\u00f6rungen der Stabilit\u00e4t der Energieversorgung, des reibungslosen Ablaufs der Industrie- und Lieferketten sowie der internationalen Handelsordnung zu verringern\u201c<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade dieser Unterschied ist aufschlussreich. Putin denkt von der Rolle Russlands als Lieferant her. Xi denkt vom Funktionieren globaler Versorgungssysteme aus. F\u00fcr China ist Energie wichtig, aber eben nur als Teil eines gr\u00f6\u00dferen wirtschaftlichen und geopolitischen Gesamtbildes. Das zeigt, wer breiter plant und wer vor allem versucht, eigene Abh\u00e4ngigkeiten als St\u00e4rke zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Zahlen sprechen klar f\u00fcr Peking<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wirtschaftlich ist die Lage eindeutig. Nach Moskauer Angaben stiegen die russischen <strong>Erd\u00f6lexporte nach China<\/strong> im ersten Quartal <strong>2026<\/strong> um <strong>35 Prozent<\/strong>. Das zeigt, dass Russland f\u00fcr China als Rohstoffquelle relevant bleibt. Doch aus dieser Relevanz folgt keine Gleichrangigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich wird das bei der von Moskau lange geforderten Pipeline <strong>Power of Siberia 2<\/strong>. Dieses Projekt soll zus\u00e4tzliches russisches Erdgas aus der Altai-Region nach Nordostchina bringen. F\u00fcr Russland w\u00e4re es von enormer Bedeutung. Doch beim Treffen in Peking gab es dazu erneut keine sichtbaren Fortschritte. China nimmt Energie ab, aber nur zu Bedingungen und in einem Tempo, das den eigenen Interessen entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt der Preisvorteil, den Peking ausnutzt. Nach Angaben von <strong>Bloomberg<\/strong> erh\u00e4lt China russisches Gas derzeit mit einem Abschlag von mehr als <strong>38 Prozent<\/strong> gegen\u00fcber dem Preis, den die wenigen verbliebenen europ\u00e4ischen K\u00e4ufer zahlen. Selbst bis <strong>2029<\/strong> soll dieser Rabatt zwar kleiner werden, aber noch immer bei <strong>27 Prozent<\/strong> liegen. Wer solche Konditionen diktieren kann, verhandelt nicht aus Schw\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Freundschaftsbilder \u00e4ndern nichts am Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In Peking war kein Bruch zwischen China und Russland zu sehen. Im Gegenteil: Die beiden Pr\u00e4sidenten pr\u00e4sentierten ihre N\u00e4he demonstrativ und hielten an ihrer gemeinsamen geopolitischen Linie fest. Doch unterhalb dieser Inszenierung wird die Hierarchie immer klarer.<\/p>\n\n\n\n<p>China profitiert von Russland als Rohstofflieferant, als strategischem Partner und als n\u00fctzlichem Gegengewicht zum Westen. Russland wiederum ist auf China wirtschaftlich und politisch in einem Ma\u00df angewiesen, das kaum noch Spielraum f\u00fcr gleichberechtigtes Auftreten l\u00e4sst. Genau deshalb war Putins Besuch trotz aller H\u00f6flichkeit auch eine stille Demonstration chinesischer \u00dcberlegenheit. Xi hat Putin umarmt, gelobt und eingebunden. Aber er hat auch keinen Zweifel daran gelassen, wer in diesem Verh\u00e4ltnis bestellt und wer liefern muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peking inszeniert N\u00e4he und markiert zugleich die Rangordnung Der Besuch von Wladimir Putin bei Xi Jinping wurde in Peking mit demonstrativer Herzlichkeit inszeniert. 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