{"id":10807,"date":"2026-05-20T10:25:49","date_gmt":"2026-05-20T14:25:49","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10807"},"modified":"2026-05-20T10:25:50","modified_gmt":"2026-05-20T14:25:50","slug":"eu-besiegelt-zollpakt-und-rechnet-schon-mit-neuem-streit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10807","title":{"rendered":"EU besiegelt Zollpakt und rechnet schon mit neuem Streit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Br\u00fcssel schafft eine Einigung, aber kein Vertrauen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die <strong>Europ\u00e4ische Union<\/strong> hat den Weg f\u00fcr das Zollabkommen mit den <strong>USA<\/strong> freigemacht. Vertreter von <strong>EU-Kommission<\/strong>, <strong>Mitgliedstaaten<\/strong> und <strong>Europaparlament<\/strong> verst\u00e4ndigten sich nach einer langen Nachtsitzung darauf, wie die Zusagen aus dem sogenannten <strong>Turnberry-Deal<\/strong> umgesetzt werden sollen. Damit ist der Pakt politisch auf Schiene. Doch von echter Entspannung kann keine Rede sein. In Br\u00fcssel \u00fcberwiegt nicht Erleichterung, sondern Vorsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau darin liegt die Besonderheit dieser Einigung. Europa sagt Ja zu dem Abkommen, baut aber gleichzeitig Schutzmechanismen ein und h\u00e4lt Gegenma\u00dfnahmen bereit. Der Grund ist offensichtlich: Die EU will wirtschaftliche Sch\u00e4den begrenzen, traut <strong>Donald Trump<\/strong> aber weiterhin nicht \u00fcber den Weg. Der Konflikt mit Washington ist damit nicht beendet. Er wird nur in ein vorl\u00e4ufiges Regelwerk gepresst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zehn Monate Z\u00f6gern und Misstrauen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Seit dem Handschlag zwischen <strong>Donald Trump<\/strong> und <strong>Ursula von der Leyen<\/strong> im schottischen <strong>Turnberry<\/strong> sind rund <strong>zehn Monate<\/strong> vergangen. Dass die Umsetzung so lange dauerte, lag nicht nur an der Komplexit\u00e4t des Themas, sondern vor allem am tiefen politischen Misstrauen. Immer wieder sorgte Trump selbst daf\u00fcr, dass Europa auf Abstand blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst setzte er am sogenannten <strong>Liberation Day<\/strong> Anfang April des vergangenen Jahres ein Verfahren ein, das sp\u00e4ter vom h\u00f6chsten US-Gericht wieder einkassiert wurde. Danach verunsicherte er die Europ\u00e4er mit neuen Drohungen, darunter auch mit weiteren <strong>Autoz\u00f6llen<\/strong>. Zus\u00e4tzlich belasteten politische Provokationen wie seine <strong>Gr\u00f6nland-Ambitionen<\/strong> das Verh\u00e4ltnis. Das Europaparlament legte seine Beratungen daraufhin zeitweise auf Eis. Br\u00fcssel wollte erst abwarten und nicht blind in ein Abkommen laufen, das in Washington wom\u00f6glich schon am n\u00e4chsten Morgen wieder infrage gestellt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Einigung fiel erst tief in der Nacht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Durchbruch kam erst nach einer z\u00e4hen Sitzung in <strong>Stra\u00dfburg<\/strong>. Dort trafen sich die Verhandlungsteams von <strong>Kommission<\/strong>, <strong>Parlament<\/strong> und <strong>Mitgliedstaaten<\/strong> in einem Sitzungsraum des Europaparlaments. Die Szene zeigte schon vor Beginn, wie lang der Abend werden w\u00fcrde: Aktenmappen, Kaffee und Verpflegung lagen bereit, die Gespr\u00e4che fanden unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst um <strong>3:03 Uhr<\/strong> in der Nacht war die Verst\u00e4ndigung endg\u00fcltig geschafft. Dass daf\u00fcr mehrere Stunden intensiver Verhandlungen n\u00f6tig waren, zeigt, wie umstritten die Details bis zuletzt blieben. Br\u00fcssel wollte eben nicht einfach ein Abkommen durchwinken, sondern Absicherungen einbauen, die den Europ\u00e4ern im n\u00e4chsten Streit mit Trump Handlungsspielraum verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Parlament erzwang Schutzklauseln<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor allem das <strong>Europ\u00e4ische Parlament<\/strong> dr\u00e4ngte auf Sicherheitsmechanismen. Aus Sicht vieler Abgeordneter durfte die EU ihre Zusagen nicht einfach eins zu eins erf\u00fcllen, w\u00e4hrend die USA jederzeit wieder mit neuen Z\u00f6llen oder Sonderma\u00dfnahmen Druck aufbauen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb enth\u00e4lt die Einigung nun mehrere Schutzklauseln. Die <strong>EU-Kommission<\/strong> kann Teile des Abkommens aussetzen, wenn sich die USA nicht an die Vereinbarungen halten oder erneut mit Zollerh\u00f6hungen drohen. Sie darf auch eingreifen, wenn einzelne L\u00e4nder oder bestimmte Branchen, etwa die <strong>Autoindustrie<\/strong>, unter besonderen Druck geraten. Das ist ein zentraler Punkt, weil gerade Deutschland durch neue Unwuchten im transatlantischen Handel besonders hart getroffen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch das Ablaufdatum ist politisch gewollt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Zollpakt gilt zudem nicht unbegrenzt. Er l\u00e4uft bis <strong>Ende 2029<\/strong>, also bis ein Jahr nach dem Ende von Trumps aktueller Amtszeit. Danach muss die Vereinbarung \u00fcberpr\u00fcft und aktiv verl\u00e4ngert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frist ist alles andere als zuf\u00e4llig. Sie ist Ausdruck politischer Vorsicht. Die EU will sich nicht dauerhaft an ein Modell binden, das unter einem unberechenbaren Pr\u00e4sidenten st\u00e4ndig wieder infrage gestellt werden k\u00f6nnte. Der Deal ist damit bewusst befristet. Europa verschafft sich Zeit, aber keine Illusionen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Stahl und Aluminium bleiben der gr\u00f6\u00dfte Zankapfel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders schwierig blieb der Umgang mit Produkten, die <strong>Stahl<\/strong> und <strong>Aluminium<\/strong> enthalten oder daraus hergestellt werden. Dazu z\u00e4hlen unter anderem <strong>Waschmaschinen<\/strong> und <strong>Autoteile<\/strong>. Auf diese Waren erheben die USA weiterhin teils deutlich h\u00f6here Z\u00f6lle als <strong>15 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber genau diesen Punkt wurde in Stra\u00dfburg rund <strong>zwei Stunden<\/strong> lang gestritten. Am Ende stand eine klare Drohung im Text: Wenn Washington diese h\u00f6heren Belastungen nicht bis <strong>Ende 2026<\/strong> zur\u00fccknimmt, wird die EU reagieren und ihre eigenen Z\u00f6lle entsprechend anheben. Damit macht Br\u00fcssel unmissverst\u00e4ndlich klar, dass man sich nicht ein weiteres Mal mit einseitigen Nachteilen abspeisen lassen will.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Europa sucht Stabilit\u00e4t, rechnet aber mit neuen Attacken<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Was sich die Europ\u00e4er von der Einigung vor allem versprechen, ist <strong>Berechenbarkeit<\/strong>. F\u00fcr Unternehmen ist kaum etwas sch\u00e4dlicher als st\u00e4ndig wechselnde Regeln, neue Drohkulissen und unkalkulierbare Handelskosten. Genau dieses Klima hat Trump in den vergangenen Monaten immer wieder geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist die Einigung vor allem ein Versuch, wirtschaftliche Unsicherheit einzud\u00e4mmen. Aber auch in Br\u00fcssel glaubt kaum jemand, dass damit pl\u00f6tzlich Ruhe einkehrt. Selbst wenn <strong>Rat<\/strong> und <strong>Parlament<\/strong> im <strong>Juni<\/strong> noch endg\u00fcltig zustimmen, bleibt die Sorge, dass aus dem Wei\u00dfen Haus jederzeit neue \u00dcberraschungen kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die EU sucht l\u00e4ngst neue M\u00e4rkte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Europa zieht daraus bereits Konsequenzen. Die EU treibt neue Handelsabkommen mit erh\u00f6htem Tempo voran, etwa mit <strong>Mercosur<\/strong>, <strong>Indonesien<\/strong> und <strong>Australien<\/strong>. In K\u00fcrze k\u00f6nnte auch ein modernisiertes Abkommen mit <strong>Mexiko<\/strong> folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel ist klar: neue Absatzm\u00e4rkte erschlie\u00dfen und Lieferketten breiter aufstellen. So will Europa seine Verwundbarkeit gegen\u00fcber amerikanischen Alleing\u00e4ngen reduzieren. Vollst\u00e4ndig ersetzen l\u00e4sst sich der Handel mit den USA dadurch jedoch nicht. Die Vereinigten Staaten bleiben mit Abstand der wichtigste Handelspartner der EU. Rund <strong>ein F\u00fcnftel<\/strong> der europ\u00e4ischen Exporte geht in die USA. Gerade f\u00fcr <strong>Deutschland<\/strong> mit seiner angeschlagenen Industrie und seiner exportstarken Wirtschaft ist dieses Verh\u00e4ltnis von enormer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Gegenma\u00dfnahmen liegen l\u00e4ngst bereit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Br\u00fcssel hat allerdings auch gezeigt, dass es sich nicht mehr schutzlos vorf\u00fchren lassen will. Ein Paket mit <strong>Gegenz\u00f6llen<\/strong> f\u00fcr Waren im Wert von <strong>93 Milliarden Euro<\/strong> liegt fertig vorbereitet in der Schublade. Wenn Washington erneut eskaliert, kann dieses Paket schnell aktiviert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt das sogenannte <strong>Antizwangsma\u00dfnahmeninstrument<\/strong>, das vor rund <strong>zwei Jahren<\/strong> geschaffen wurde, bisher aber noch nie eingesetzt worden ist. Es w\u00fcrde der EU erlauben, etwa <strong>US-Unternehmen<\/strong> bei \u00f6ffentlichen Ausschreibungen in Europa zu benachteiligen oder gro\u00dfe <strong>Tech-Konzerne<\/strong> mit zus\u00e4tzlichen Abgaben zu treffen. Dass Br\u00fcssel dieses Werkzeug ausdr\u00fccklich in Reserve h\u00e4lt, zeigt, wie ernst man die Gefahr weiterer Konflikte einsch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Abkommen mit eingebautem Alarmmodus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Zollpakt mit den USA ist deshalb kein Ausdruck neuer Harmonie, sondern ein Kompromiss unter permanentem Vorbehalt. Europa will wirtschaftliche Sch\u00e4den begrenzen, baut aber gleichzeitig Sperren, Fristen und Gegenwaffen ein. Das ist kein Vertrauensabkommen, sondern ein Schutzabkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau das macht die Einigung so aufschlussreich. Die EU versucht, mit Washington handlungsf\u00e4hig zu bleiben, ohne sich abh\u00e4ngig zu machen. Sie sagt Ja zum Deal, h\u00e4lt aber schon die n\u00e4chste Reaktion bereit. Der Streit mit Trump ist damit nicht gel\u00f6st. Er ist nur vertagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Br\u00fcssel schafft eine Einigung, aber kein Vertrauen Die Europ\u00e4ische Union hat den Weg f\u00fcr das Zollabkommen mit den USA freigemacht. Vertreter von EU-Kommission, Mitgliedstaaten und Europaparlament verst\u00e4ndigten sich nach einer langen Nachtsitzung darauf, wie die Zusagen aus dem sogenannten Turnberry-Deal umgesetzt werden sollen. Damit ist der Pakt politisch auf Schiene. 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