{"id":10746,"date":"2026-05-06T10:19:07","date_gmt":"2026-05-06T14:19:07","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10746"},"modified":"2026-05-06T10:19:08","modified_gmt":"2026-05-06T14:19:08","slug":"e20-steht-vor-dem-durchbruch-an-deutschen-tankstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10746","title":{"rendered":"E20 steht vor dem Durchbruch an deutschen Tankstellen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein neuer Benzinstandard k\u00f6nnte E5 verdr\u00e4ngen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>An vielen Tankstellen d\u00fcrfte sich in absehbarer Zeit sp\u00fcrbar etwas ver\u00e4ndern. Die Benzinsorte <strong>E20<\/strong> ist derzeit zwar noch kaum verbreitet, wird aber politisch und technisch bereits als n\u00e4chster m\u00f6glicher Schritt im Kraftstoffmarkt behandelt. Hintergrund ist der steigende Druck, mehr alternative Kraftstoffe mit h\u00f6herem <strong>Ethanolanteil<\/strong> in den Verkehr zu bringen. Langfristig k\u00f6nnte <strong>E20<\/strong> daher nicht nur zus\u00e4tzlich auftauchen, sondern an zahlreichen Zapfs\u00e4ulen das bisherige <strong>Super E5<\/strong> ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Autofahrer h\u00e4tte das erhebliche Folgen. Denn E20 ist nicht einfach nur ein neuer Name auf dem Preisschild, sondern ein Kraftstoff mit anderen Eigenschaften, einem anderen Mischungsverh\u00e4ltnis und teils neuen Anforderungen an Fahrzeuge. Wer k\u00fcnftig tankt, muss dann st\u00e4rker darauf achten, was der eigene Motor \u00fcberhaupt vertr\u00e4gt und welche Vor- oder Nachteile mit dem neuen Sprit verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hinter E20 steckt mehr Bioethanol im Benzin<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung ist technisch schnell erkl\u00e4rt. Das <strong>E<\/strong> steht f\u00fcr <strong>Ethanol<\/strong>, die Zahl benennt den maximal m\u00f6glichen Anteil im Kraftstoff. Bei <strong>E20<\/strong> k\u00f6nnen also bis zu <strong>20 Prozent Bioethanol<\/strong> beigemischt sein. Diese Menge muss nicht immer vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft werden, doch sie markiert die Obergrenze.<\/p>\n\n\n\n<p>Das beigemischte Bioethanol wird \u00fcberwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen wie <strong>Zucker<\/strong> oder <strong>Getreide<\/strong> hergestellt. Daraus ergibt sich auch das klimapolitische Interesse an diesem Kraftstoff. Denn die Biomasse, aus der Ethanol gewonnen wird, hat in ihrer Wachstumsphase zuvor <strong>CO2<\/strong> aus der Atmosph\u00e4re aufgenommen. Zudem gilt ein Anteil von <strong>20 Prozent Bioethanol<\/strong> als wichtige Grundlage f\u00fcr sp\u00e4tere <strong>eFuels<\/strong> und <strong>ReFuels<\/strong>. E20 ist damit nicht nur eine neue Spritsorte, sondern Teil einer gr\u00f6\u00dferen Umstellung im Verkehr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weniger Energie bedeutet h\u00f6heren Verbrauch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der wesentliche praktische Nachteil von E20 liegt in seinem geringeren Energiegehalt. <strong>Ethanol<\/strong> hat eine niedrigere <strong>Energiedichte<\/strong> als klassisches Benzin. Das wirkt sich direkt auf den Verbrauch aus. Schon bei <strong>E10<\/strong> liegt der Kraftstoffverbrauch laut Einsch\u00e4tzung des <strong>AvD<\/strong> etwa <strong>drei Prozent<\/strong> \u00fcber dem herk\u00f6mmlicher Kraftstoffe. Bei <strong>E20<\/strong> k\u00f6nnte dieser Unterschied auf bis zu <strong>sechs Prozent<\/strong> anwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Autofahrer bedeutet das im Klartext: Das Fahrzeug braucht unter Umst\u00e4nden mehr Sprit f\u00fcr die gleiche Strecke. Damit r\u00fcckt sofort die Frage nach dem Preis in den Mittelpunkt. Ein h\u00f6herer Verbrauch w\u00e4re nur dann akzeptabel, wenn der Literpreis entsprechend niedriger liegt. Genau hier beginnt jedoch die Unsicherheit. Denn E20 ist bislang erst an sehr wenigen Tankstellen verf\u00fcgbar und wird in vielen Preis-Apps noch nicht einmal als eigener Kraftstoff erfasst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beim Preis k\u00f6nnte E20 trotzdem attraktiv werden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz des m\u00f6glichen Mehrverbrauchs k\u00f6nnte E20 finanziell interessant werden. Dort, wo der Kraftstoff bislang bereits angeboten wird, kostet er nach den vorliegenden Angaben rund <strong>10 Cent weniger als Super E5<\/strong> und <strong>4 Cent weniger als E10<\/strong>. Das deutet darauf hin, dass sich der h\u00f6here Verbrauch bei entsprechend g\u00fcnstigem Preis zumindest teilweise wieder ausgleichen lie\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob sich dieses Preisgef\u00fcge sp\u00e4ter fl\u00e4chendeckend halten l\u00e4sst, ist aber offen. Solange E20 nur punktuell angeboten wird, lassen sich daraus keine verl\u00e4sslichen Aussagen f\u00fcr den Gesamtmarkt ableiten. F\u00fcr Autofahrer bleibt die Rechnung daher vorerst theoretisch: etwas mehr Verbrauch, wom\u00f6glich etwas weniger Preis pro Liter, aber noch keine breite Praxiserfahrung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die technische Vertr\u00e4glichkeit ist das eigentliche Problem<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Viel entscheidender als der Preis ist f\u00fcr viele Fahrzeughalter die Frage, ob E20 dem Motor und dem Kraftstoffsystem schadet. Genau an diesem Punkt ist die Lage noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Ethanol besitzt l\u00f6sende und reinigende Eigenschaften, zieht zugleich Wasser an und kann dadurch verschiedene technische Probleme f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des <strong>AvD<\/strong> k\u00f6nnen sich Ablagerungen im Kraftstoffsystem l\u00f6sen und zu <strong>Verstopfungen<\/strong> f\u00fchren. Au\u00dferdem k\u00f6nnen <strong>Kraftstoffschl\u00e4uche<\/strong> und andere <strong>Elastomere<\/strong> mit der Zeit por\u00f6s werden. Auch <strong>Undichtigkeiten<\/strong>, aufgequollene Bauteile und <strong>Korrosion<\/strong> im Bereich des Kraftstoffsystems sind m\u00f6glich. F\u00fcr moderne Fahrzeuge mag das beherrschbar sein, f\u00fcr \u00e4ltere Modelle kann es schnell kritisch werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sicherste Orientierung w\u00e4re deshalb eine klare <strong>Herstellerfreigabe<\/strong>. Genau hier liegt derzeit jedoch die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des Systems: Eine vollst\u00e4ndige und allgemein bekannte Liste aller E20-tauglichen Fahrzeuge gibt es bisher nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Neuere Fahrzeuge d\u00fcrften meist besser vorbereitet sein<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ganz ohne positive Einsch\u00e4tzung ist die Lage allerdings nicht. Fachleute gehen davon aus, dass ein gro\u00dfer Teil moderner Fahrzeuge E20 gut vertragen d\u00fcrfte. Besonders deutsche Hersteller, die ihre Modelle auch in M\u00e4rkten mit deutlich h\u00f6herem Ethanolanteil im Benzin verkaufen, entwickeln ihre Motoren seit Jahren entsprechend robuster.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig genannt werden Fahrzeuge der <strong>VW Core Group<\/strong>, also <strong>VW<\/strong>, <strong>Skoda<\/strong>, <strong>Seat<\/strong>, <strong>Cupra<\/strong> und <strong>VW-Nutzfahrzeuge<\/strong>, vielfach <strong>ab Baujahr 2016<\/strong>. Auch Hersteller wie <strong>BMW<\/strong> und <strong>Mercedes<\/strong> treiben entsprechende Freigaben f\u00fcr bestimmte Motoren voran. Das spricht daf\u00fcr, dass viele neuere Fahrzeuge den Umstieg grunds\u00e4tzlich meistern k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00c4ltere Fahrzeuge und Oldtimer stehen vor einem Problem<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Anders sieht es bei \u00e4lteren Fahrzeugen aus. Gerade hier warnt der <strong>Oldtimer-Verband DEUVET<\/strong> vor Schwierigkeiten. Betroffen sein k\u00f6nnen Bauteile wie <strong>Kraftstoffpumpen<\/strong>, <strong>Einspritzsysteme<\/strong> oder <strong>Ventile<\/strong>. Vor allem <strong>Oldtimer<\/strong> und \u00e4ltere Benziner k\u00f6nnten den neuen Kraftstoff schlechter vertragen oder sogar ganz darauf verzichten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb fordert der Verband eine <strong>Schutzsorte<\/strong> f\u00fcr solche Fahrzeuge. Denn wenn E20 an vielen Tankstellen einen Platz einnimmt, wird daf\u00fcr voraussichtlich eine andere Benzinsorte verdr\u00e4ngt. Besonders wahrscheinlich ist, dass <strong>E5<\/strong> langfristig zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird. <strong>E10<\/strong> soll in jedem Fall bleiben. F\u00fcr manche \u00e4lteren Autos k\u00f6nnte das am Ende bedeuten, dass nur noch <strong>Super Plus<\/strong> als teurere Alternative \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erste Praxistests laufen bislang unauff\u00e4llig<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Erste praktische Erfahrungen mit E20 fallen bislang eher unspektakul\u00e4r aus. In einer eigenen Fahrzeugflotte wurden nach Unternehmensangaben bereits rund <strong>35.000 Liter E20<\/strong> eingesetzt, ohne dass bisher Probleme aufgetreten seien. Die Aussagekraft bleibt allerdings begrenzt, weil dort teilweise Mischbetankungen von <strong>E5 bis E20<\/strong> vorkamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der <strong>ADAC<\/strong> sieht grunds\u00e4tzlich Chancen in einem breiteren Einsatz von E20. Der Club warnt jedoch davor, die Einf\u00fchrung zu \u00fcberst\u00fcrzen. Vor einem breiten Rollout m\u00fcsse die Kraftstoffqualit\u00e4t einheitlich geregelt werden. Hier gibt es noch ein zentrales Hindernis: Die geltende Qualit\u00e4tsnorm <strong>EN 228<\/strong> erlaubt derzeit nur einen maximalen Ethanolanteil von <strong>10 Volumenprozent<\/strong>. Eine Norm f\u00fcr h\u00f6here Beimischungen wird zwar diskutiert, ist aber bislang nicht abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Kraftstoffmarkt steht vor einer echten Umstellung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>E20 ist damit noch kein fl\u00e4chendeckender Alltagskraftstoff, aber er r\u00fcckt deutlich n\u00e4her. Seine m\u00f6glichen Vorteile liegen in einer besseren <strong>CO2-Bilanz<\/strong>, einer Rolle im \u00dcbergang zu neuen Kraftstoffformen und wom\u00f6glich g\u00fcnstigeren Preisen. Die Nachteile bestehen in einem m\u00f6glichen <strong>Mehrverbrauch<\/strong>, offenen technischen Fragen und den Risiken f\u00fcr \u00e4ltere Fahrzeuge.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders entscheidend ist, dass f\u00fcr E20 keine neue Tank-Infrastruktur gebaut werden muss. Gerade deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der neue Kraftstoff auf bestehenden Zapfs\u00e4ulen Platz bekommt und daf\u00fcr eine andere Sorte verschwindet. F\u00fcr viele moderne Autos d\u00fcrfte das verkraftbar sein. F\u00fcr einen Teil des \u00e4lteren Fahrzeugbestands k\u00f6nnte der Wandel dagegen teuer oder problematisch werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neuer Benzinstandard k\u00f6nnte E5 verdr\u00e4ngen An vielen Tankstellen d\u00fcrfte sich in absehbarer Zeit sp\u00fcrbar etwas ver\u00e4ndern. Die Benzinsorte E20 ist derzeit zwar noch kaum verbreitet, wird aber politisch und technisch bereits als n\u00e4chster m\u00f6glicher Schritt im Kraftstoffmarkt behandelt. Hintergrund ist der steigende Druck, mehr alternative Kraftstoffe mit h\u00f6herem Ethanolanteil in den Verkehr zu bringen. 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