{"id":10705,"date":"2026-04-27T09:53:32","date_gmt":"2026-04-27T13:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10705"},"modified":"2026-04-27T09:53:32","modified_gmt":"2026-04-27T13:53:32","slug":"droht-bald-energiemangel-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10705","title":{"rendered":"Droht bald Energiemangel in Deutschland?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Iran-Krieg versch\u00e4rft die n\u00e4chste gro\u00dfe Wirtschaftskrise<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die weltweite Energiekrise gewinnt sp\u00fcrbar an Sch\u00e4rfe. Solange die <strong>Stra\u00dfe von Hormus<\/strong> blockiert bleibt und zugleich immer mehr F\u00f6rderanlagen besch\u00e4digt werden, versch\u00e4rft sich die Lage beinahe t\u00e4glich. Dabei geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um teureres <strong>\u00d6l<\/strong>. Auch die globale Produktion von <strong>Fl\u00fcssiggas<\/strong> ist bereits um <strong>20 Prozent<\/strong> eingebrochen. Die Folgen reichen tief in Industrie und Alltag hinein: <strong>D\u00fcngemittel<\/strong> werden teurer, wichtige Rohstoffe wie <strong>Helium<\/strong> und <strong>Schwefel<\/strong> knapper, Lieferketten instabiler und die gesamte Wirtschaft anf\u00e4lliger.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Deutschland ist das besonders gef\u00e4hrlich. Denn die Bundesrepublik bleibt stark von \u00d6l- und Gasimporten abh\u00e4ngig. Schon jetzt sind die Folgen sichtbar: Das <strong>Wirtschaftswachstum<\/strong> hat sich halbiert, die <strong>Inflation<\/strong> deutlich beschleunigt. Das sind keine abstrakten Fr\u00fchindikatoren mehr, sondern klare Warnzeichen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob die Krise ernst ist, sondern ob die Politik ihren Umfang \u00fcberhaupt schon ausreichend verstanden hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00d6l und Gas k\u00f6nnten nicht nur teurer, sondern knapp werden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bisher konzentriert sich die politische Debatte vor allem auf Preisentlastungen. Die Bundesregierung hat Unternehmen aufgefordert, ihren Besch\u00e4ftigten <strong>Sonderzahlungen<\/strong> zu gew\u00e4hren. Au\u00dferdem gilt ab <strong>1. Mai<\/strong> f\u00fcr <strong>zwei Monate<\/strong> ein <strong>Tankrabatt<\/strong>, der die Spritpreise wieder unter die symbolisch wichtige Marke von <strong>zwei Euro<\/strong> dr\u00fccken soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch genau hier setzt die Kritik vieler Experten an. Denn billigere Preise helfen kurzfristig an der Zapfs\u00e4ule, versch\u00e4rfen aber wom\u00f6glich das eigentliche Problem. Wenn Energie k\u00fcnstlich verbilligt wird, steigt die Nachfrage, obwohl das Angebot zugleich knapper wird. Das kann die Krise sogar weiter anheizen. Aus Sicht vieler \u00d6konomen ist das deshalb das falsche Signal.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Erste Experten sprechen offen \u00fcber Rationierung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders brisant ist, dass Fachleute inzwischen sogar das Wort <strong>Rationierung<\/strong> in den Mund nehmen. Der Energie- und Klimapolitik-Professor <strong>Jan Rosenow<\/strong> von der Universit\u00e4t Oxford sagt: <strong>\u201eEs kann durchaus dazu kommen, je nach weiterer Entwicklung, dass auch \u00fcber Rationierung nachgedacht werden muss.\u201c<\/strong> Er h\u00e4lt kurzfristige Einsparungen von <strong>10 bis 15 Prozent<\/strong> f\u00fcr m\u00f6glich, vor allem durch Verhaltens\u00e4nderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das praktisch bedeuten k\u00f6nnte, ist alles andere als harmlos:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Tempolimit auf Autobahnen<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>eingeschr\u00e4nkte Nutzung von <strong>Heizungen<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>eingeschr\u00e4nkte Nutzung von <strong>Klimaanlagen<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>Vorgaben f\u00fcr den Handel, etwa <strong>geschlossene Ladent\u00fcren<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>allgemeine Ma\u00dfnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Damit w\u00fcrde aus einer Preisdebatte sehr schnell eine Freiheitseinschr\u00e4nkung im Alltag. Nicht nur das Tanken oder Heizen w\u00fcrde teurer, sondern der Staat k\u00f6nnte beginnen, Verbrauch direkt zu steuern oder zu begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Viele untersch\u00e4tzen die H\u00e4rte der Lage noch immer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Rosenow warnt ausdr\u00fccklich davor, dass das Ausma\u00df der Krise in der \u00d6ffentlichkeit noch gar nicht angekommen sei. W\u00f6rtlich sagt er: <strong>\u201eIch habe den Eindruck, dass in der \u00d6ffentlichkeit noch nicht wirklich angekommen ist, wie gravierend diese Krise ist.\u201c<\/strong> Und weiter: <strong>\u201eWir untersch\u00e4tzen das noch.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Wahrnehmungsl\u00fccke macht die Situation gef\u00e4hrlich. W\u00e4hrend beim russischen Angriff auf die Ukraine der Energieschock sofort sichtbar war, sickert die aktuelle Krise langsamer in den Alltag. Doch langsamer bedeutet nicht harmloser. Der \u00d6konom <strong>Steffen Bukold<\/strong> spricht bereits von der <strong>dritten Energiekrise in wenigen Jahren<\/strong>, nach <strong>Corona<\/strong> und dem <strong>Ukraine-Krieg<\/strong>. Seine Diagnose ist klar: Die Menschen seien <strong>krisenm\u00fcde<\/strong>. Genau diese M\u00fcdigkeit k\u00f6nne aber notwendige Reaktionen verz\u00f6gern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>In Asien wird bereits h\u00e4rter reagiert als in Europa<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland noch stark \u00fcber Preisentlastungen diskutiert wird, haben andere Regionen bereits deutlich h\u00e4rter reagiert. Laut dem j\u00fcngsten \u00d6lbericht der <strong>Internationalen Energieagentur<\/strong> gab es die st\u00e4rksten R\u00fcckg\u00e4nge beim \u00d6lverbrauch zun\u00e4chst im <strong>Nahen Osten<\/strong> und im <strong>asiatisch-pazifischen Raum<\/strong>. Dort senkten petrochemische Produzenten ihre Auslastung, Haushalte schr\u00e4nkten sich ein, und Fl\u00fcge fielen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigsten Entwicklungen dort:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>sinkender <strong>\u00d6lverbrauch<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>geringere <strong>Industrieauslastung<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>sp\u00fcrbare <strong>Einschr\u00e4nkungen in Haushalten<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Flugausf\u00e4lle<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>staatliche Ma\u00dfnahmen zur <strong>Nachfragereduzierung<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Deutschland wirkt im Vergleich dazu erstaunlich z\u00f6gerlich. Hier wird st\u00e4rker an Preisen geschraubt als an strukturellen Einsparungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Flugverkehr k\u00f6nnte als Erstes massiv leiden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gerade im Luftverkehr ist die Nervosit\u00e4t bereits deutlich sp\u00fcrbar. <strong>Eddie Wilson<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <strong>Ryanair<\/strong>, machte Ende April in Berlin unmissverst\u00e4ndlich klar, wie ernst die Lage ist. Zwar habe Ryanair nach eigenen Angaben <strong>80 Prozent<\/strong> seines ben\u00f6tigten Flugbenzins gehedgt, sich also kurzfristig gegen Preisspr\u00fcnge abgesichert. Doch auch das sei kein dauerhafter Schutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilson formulierte es drastisch: <strong>\u201eNat\u00fcrlich hat es Folgen, wenn 20 Prozent des weltweiten Treibstoffs vom Markt abgeschnitten sind.\u201c<\/strong> Und weiter: <strong>\u201eUnd wenn der Krieg im Nahen Osten f\u00fcr immer anh\u00e4lt, dann wird auch Hedging einen nicht retten. Aber dann werden auch generell deutlich weniger Flugzeuge unterwegs sein.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein bemerkenswert offener Hinweis. Er bedeutet im Klartext: Wenn die Krise anh\u00e4lt, drohen nicht nur h\u00f6here Ticketpreise, sondern real weniger Fl\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die deutsche Energiepolitik r\u00e4cht sich jetzt doppelt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders unangenehm wird die Lage f\u00fcr die Bundesregierung, weil ihre j\u00fcngere Energiepolitik eher wieder st\u00e4rker auf <strong>fossile Energien<\/strong> setzte. <strong>W\u00e4rmepumpen<\/strong> sollten keine Priorit\u00e4t mehr haben, <strong>Elektroautos<\/strong> wurden nur halbherzig gef\u00f6rdert. Genau das k\u00f6nnte sich nun als strategischer Fehler erweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn eine st\u00e4rkere <strong>Elektrifizierung<\/strong> von Verkehr und W\u00e4rme k\u00f6nnte die Abh\u00e4ngigkeit von \u00d6l und Gas langfristig senken. Der Analyst <strong>Chris Rosslowe<\/strong> vom Energieinstitut Ember nennt den j\u00fcngsten Preisschock eine <strong>\u201eschmerzhafte Erinnerung\u201c<\/strong> daran, dass Europas Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen eine <strong>strategische Schwachstelle<\/strong> sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch <strong>Steffen Bukold<\/strong> sieht den Ausweg klar in einer konsequenten Abkehr von \u00d6l und Gas. Sein Satz ist eindeutig: <strong>\u201eWir m\u00fcssen einfach weg von \u00d6l und Gas.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der eigentliche Hebel liegt bei Strom und Elektrifizierung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Oxford-Professor Rosenow h\u00e4lt es jedoch f\u00fcr falsch, nur einzelne Technologien direkt zu subventionieren. Aus seiner Sicht w\u00e4re es sinnvoller, den <strong>Strom<\/strong> g\u00fcnstiger zu machen, mit dem <strong>W\u00e4rmepumpen<\/strong> und <strong>E-Autos<\/strong> betrieben werden. Denn am Ende seien vor allem die <strong>laufenden Kosten<\/strong> entscheidend, nicht einmalige F\u00f6rderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Vorschlag l\u00e4uft auf eine strategische Neuordnung hinaus:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Strompreise senken<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li>laufende Kosten elektrischer Technologien attraktiver machen<\/li>\n\n\n\n<li>Elektrifizierung \u00fcber <strong>Steuern<\/strong> und Preisstrukturen gezielt f\u00f6rdern<\/li>\n\n\n\n<li>weniger kurzfristige Entlastungen bei \u00d6l und Gas<\/li>\n\n\n\n<li>mehr mittelfristige Unabh\u00e4ngigkeit von Importen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Genau darin liegt wom\u00f6glich der entscheidende Punkt. Die Technologien sind vorhanden. Die Kosten gelten als beherrschbar. Was fehlt, ist der politische Wille, die Anreize konsequent zu verschieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland k\u00f6nnte sonst tiefer in eine Versorgungskrise rutschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Lage ist deshalb deutlich ernster, als viele es bislang wahrhaben wollen. <strong>20 Prozent weniger Fl\u00fcssiggasproduktion<\/strong>, steigender Druck auf <strong>\u00d6l<\/strong>, teurere <strong>D\u00fcngemittel<\/strong>, knappere <strong>Rohstoffe<\/strong>, schw\u00e4cheres <strong>Wachstum<\/strong>, h\u00f6here <strong>Inflation<\/strong> und die reale Debatte \u00fcber <strong>Rationierung<\/strong>. Das ist keine gew\u00f6hnliche Marktst\u00f6rung, sondern eine potenzielle Versorgungskrise mit tiefen wirtschaftlichen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Blockade anh\u00e4lt und die Bundesregierung weiter vor allem an Symptomen statt an der strukturellen Abh\u00e4ngigkeit arbeitet, k\u00f6nnte Deutschland schon bald vor einer Lage stehen, in der Energie nicht nur teuer, sondern tats\u00e4chlich knapp wird. Und dann ginge es nicht mehr nur um Preise, sondern um Verf\u00fcgbarkeit, Einschr\u00e4nkungen und sp\u00fcrbare Eingriffe in den Alltag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Iran-Krieg versch\u00e4rft die n\u00e4chste gro\u00dfe Wirtschaftskrise Die weltweite Energiekrise gewinnt sp\u00fcrbar an Sch\u00e4rfe. Solange die Stra\u00dfe von Hormus blockiert bleibt und zugleich immer mehr F\u00f6rderanlagen besch\u00e4digt werden, versch\u00e4rft sich die Lage beinahe t\u00e4glich. Dabei geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um teureres \u00d6l. 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