{"id":10691,"date":"2026-04-22T10:22:19","date_gmt":"2026-04-22T14:22:19","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10691"},"modified":"2026-04-22T10:22:20","modified_gmt":"2026-04-22T14:22:20","slug":"beiersdorf-spuert-die-kaufkrise-mit-voller-wucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10691","title":{"rendered":"Beiersdorf sp\u00fcrt die Kaufkrise mit voller Wucht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nivea, Tesa und La Prairie geraten zugleich unter Druck<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Konsumg\u00fcterkonzern <strong>Beiersdorf<\/strong> ist mit einem schwachen Start ins neue Jahr konfrontiert. Die Nachfrage nach bekannten Marken wie <strong>Nivea<\/strong>, <strong>Tesa<\/strong> und <strong>La Prairie<\/strong> ist sp\u00fcrbar zur\u00fcckgegangen. Besonders brisant ist dabei, dass der R\u00fcckgang nicht nur einzelne Randbereiche betrifft, sondern ausgerechnet das Kerngesch\u00e4ft des Hamburger Traditionsunternehmens erfasst. Wenn selbst Produkte des t\u00e4glichen Gebrauchs und etablierte Markenartikel an Zugkraft verlieren, ist das ein ernstes Warnsignal f\u00fcr die gesamte Konsumlage.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>ersten Quartal<\/strong> sank der Umsatz des Konzerns um <strong>7,7 Prozent<\/strong> auf knapp <strong>2,5 Milliarden Euro<\/strong>. Organisch, also bereinigt um W\u00e4hrungs- und Portfolioeffekte, lag das Minus immer noch bei <strong>4,6 Prozent<\/strong>. Das ist kein kleiner R\u00fccksetzer mehr, sondern eine deutliche Abk\u00fchlung in einem Gesch\u00e4ft, das lange als vergleichsweise robust galt. An den Finanzm\u00e4rkten wurde diese Entwicklung sofort abgestraft. Die Aktie verlor zuletzt rund <strong>2,5 Prozent<\/strong>. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf fast <strong>20 Prozent<\/strong>, auf Sicht von zw\u00f6lf Monaten sogar auf rund <strong>37 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"881\" height=\"554\" src=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-24.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10693\" srcset=\"https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-24.png 881w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-24-300x189.png 300w, https:\/\/aktiengurus.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/image-24-768x483.png 768w\" sizes=\"(max-width: 881px) 100vw, 881px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Kern des Problems liegt ausgerechnet bei Nivea<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders schwer wiegt der R\u00fcckgang bei <strong>Nivea<\/strong>. Diese Sparte steht f\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte des gesamten Konzernumsatzes und ist damit das eigentliche R\u00fcckgrat von Beiersdorf. Im ersten Quartal fiel der Umsatz hier um <strong>sieben Prozent<\/strong>. Genau deshalb ist diese Entwicklung f\u00fcr den Konzern so gef\u00e4hrlich. Wenn das wichtigste Produktfeld schw\u00e4chelt, l\u00e4sst sich das kaum noch mit Erfolgen in kleineren Bereichen ausgleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Analysten sehen in der r\u00fcckl\u00e4ufigen Nachfrage nach Nivea den zentralen Grund f\u00fcr die aktuelle Absatzkrise. Das ist bemerkenswert. Denn Nivea galt lange als starke, alltagsnahe Marke mit hoher Wiedererkennbarkeit und breiter Kundschaft. Wenn selbst ein so verl\u00e4sslicher Name unter Druck ger\u00e4t, spricht das weniger f\u00fcr ein Marketingproblem als f\u00fcr eine tiefer sitzende Kaufzur\u00fcckhaltung der Verbraucher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch Tesa verliert, La Prairie bricht regelrecht ein<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neben Nivea geriet auch die Klebstoffsparte <strong>Tesa<\/strong> unter Druck. Dort sank der Umsatz organisch um <strong>4,3 Prozent<\/strong>. Belastend wirkte vor allem die schwache Nachfrage aus dem <strong>Automobilsektor<\/strong>. Hinzu kamen Sondereffekte im Elektronikgesch\u00e4ft aus dem Vorjahr. Auch das zeigt, dass Beiersdorf nicht nur unter Konsumschw\u00e4che leidet, sondern zus\u00e4tzlich mit Problemen in wichtigen Abnehmerbranchen zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch drastischer ist die Lage bei der Premiummarke <strong>La Prairie<\/strong>. Hier brach der Umsatz im ersten Quartal um <strong>14,9 Prozent<\/strong> ein. Dieser Wert ist besonders auff\u00e4llig, weil er zeigt, dass sowohl das breite Alltagssegment als auch der hochpreisige Luxusbereich gleichzeitig unter Druck stehen. Normalerweise k\u00f6nnen Konzerne in schwachen Zeiten darauf hoffen, dass wenigstens ein Bereich stabil bleibt. Bei Beiersdorf f\u00e4llt diese Hoffnung derzeit weitgehend aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Konsumstimmung ist eingebrochen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Hintergrund dieser Entwicklung liegt in der schwachen Kauflaune. Weltweit, besonders aber in Deutschland, ist die Konsumstimmung zuletzt deutlich abgerutscht. Das macht sich nun auch bei Beiersdorf bemerkbar. Selbst Produkte, die fr\u00fcher fast selbstverst\u00e4ndlich im Einkaufswagen landeten, werden kritischer betrachtet, seltener nachgekauft oder durch g\u00fcnstigere Alternativen ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie angespannt die Lage ist, zeigen die Daten der Marktforscher <strong>GfK<\/strong> und <strong>NIM<\/strong>. Die <strong>Anschaffungsneigung<\/strong> sank im <strong>M\u00e4rz<\/strong> von <strong>minus 9,3 Punkten<\/strong> auf <strong>minus 10,9 Punkte<\/strong>. Gleichzeitig bleibt die <strong>Sparneigung<\/strong> extrem hoch. Sie lag bei <strong>18,5 Punkten<\/strong>. Im <strong>Februar<\/strong> hatte sie mit <strong>18,9 Punkten<\/strong> sogar den h\u00f6chsten Stand seit der Finanz und Wirtschaftskrise <strong>2008\/2009<\/strong> erreicht. Diese Zahlen machen deutlich, was derzeit in vielen Haushalten passiert: Nicht Konsum, sondern Vorsicht dominiert das Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auch der Handel sieht eine anhaltende Kaufzur\u00fcckhaltung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild zeigt das <strong>Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland<\/strong>. Dieses Stimmungsbarometer, das die Erwartungen f\u00fcr die kommenden drei Monate abbildet, fiel im <strong>April<\/strong> auf <strong>94,85 Punkte<\/strong> und damit auf den niedrigsten Stand seit <strong>Februar 2024<\/strong>. Im <strong>April 2025<\/strong> hatte der Wert noch <strong>1,17 Punkte<\/strong> h\u00f6her gelegen. Die Grundlage dieser Erhebung ist eine repr\u00e4sentative monatliche Stichprobe von rund <strong>1.600 Haushalten<\/strong>. Der Referenzwert von <strong>100 Punkten<\/strong> stammt aus dem <strong>Januar 2017<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist klar: Die Kaufzur\u00fcckhaltung ist kein zuf\u00e4lliger Ausrei\u00dfer, sondern ein breiter Trend. Die Verbraucher schauen skeptischer in die Zukunft, sparen mehr und schieben Anschaffungen auf. Wenn diese Haltung zunimmt, trifft das selbst gro\u00dfe Markennamen mit voller Wucht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Inflation frisst sich wieder in den Alltag<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Als einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr die schlechte Stimmung gilt die erneut anziehende <strong>Inflation<\/strong>. Nachdem die Teuerung in der Eurozone im vergangenen Jahr weitgehend in der N\u00e4he des <strong>Zwei-Prozent-Ziels<\/strong> der <strong>EZB<\/strong> lag und im <strong>Januar<\/strong> sogar nur <strong>1,7 Prozent<\/strong> betrug, hat sich die Lage wieder verschlechtert. Im <strong>M\u00e4rz<\/strong> lag die Inflationsrate bereits bei <strong>2,6 Prozent<\/strong>. Einen \u00e4hnlich hohen Wert gab es zuletzt im <strong>Juli 2024<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade dieser Wiederanstieg ist psychologisch besonders problematisch. Verbraucher hatten gehofft, dass sich die Teuerung dauerhaft beruhigt. Wenn nun erneut steigende Preise drohen, w\u00e4chst die Vorsicht sofort wieder. Viele Haushalte reagieren darauf mit Zur\u00fcckhaltung, verschieben Eink\u00e4ufe und sichern lieber ihr Geld, statt es auszugeben. F\u00fcr Unternehmen wie Beiersdorf ist das hochgef\u00e4hrlich, weil gerade Konsumg\u00fcter von spontanen und regelm\u00e4\u00dfigen Kaufentscheidungen leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Krieg, Handelskonflikte und Wirtschaftsschw\u00e4che belasten zus\u00e4tzlich<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Inflationssorge kommen weitere Belastungen hinzu. Genannt werden unter anderem der <strong>Iran-Krieg<\/strong>, der anhaltende <strong>Ukraine-Konflikt<\/strong> und internationale <strong>Handelskonflikte<\/strong>. Solche geopolitischen Verwerfungen verst\u00e4rken die Unsicherheit und dr\u00fccken zus\u00e4tzlich auf die Bereitschaft, Geld auszugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt schwach. Prognosen zufolge d\u00fcrfte das <strong>Bruttoinlandsprodukt<\/strong> in diesem Jahr kaum wachsen. Gleichzeitig pr\u00e4gen <strong>Insolvenzen<\/strong>, <strong>Stellenk\u00fcrzungen<\/strong> und steigende <strong>Arbeitslosigkeit<\/strong> weiterhin das wirtschaftliche Umfeld. Diese Mischung ist f\u00fcr die Konsumstimmung verheerend. Wer sich um seinen Arbeitsplatz sorgt oder keine klare wirtschaftliche Perspektive sieht, spart eher, als dass er mehr Geld f\u00fcr Markenprodukte ausgibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beiersdorf sp\u00fcrt einen gef\u00e4hrlichen Trend<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung bei Beiersdorf ist deshalb mehr als eine schwache Quartalszahl. Sie zeigt, wie tief die Verunsicherung inzwischen in den Alltag der Verbraucher reicht. Wenn ein Konzern mit bekannten Marken, einem Umsatz von knapp <strong>2,5 Milliarden Euro<\/strong> im Quartal und jahrzehntelang stabiler Nachfrage pl\u00f6tzlich <strong>7,7 Prozent<\/strong> weniger erl\u00f6st, dann ist das ein Warnsignal weit \u00fcber das Unternehmen hinaus.Gerade die Kombination aus <strong>minus 7 Prozent bei Nivea<\/strong>, <strong>minus 4,3 Prozent bei Tesa<\/strong>, <strong>minus 14,9 Prozent bei La Prairie<\/strong>, einer Aktie mit <strong>fast 20 Prozent Minus seit Jahresbeginn<\/strong> und einer Konsumstimmung auf Krisenniveau zeigt, wie ernst die Lage ist. Die Inflation macht aus Nivea und Tesa zwar nicht buchst\u00e4blich Luxusprodukte. Aber sie sorgt offenkundig daf\u00fcr, dass selbst etablierte Alltagsmarken f\u00fcr viele Verbraucher nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich gekauft werden wie fr\u00fcher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nivea, Tesa und La Prairie geraten zugleich unter Druck Der Konsumg\u00fcterkonzern Beiersdorf ist mit einem schwachen Start ins neue Jahr konfrontiert. Die Nachfrage nach bekannten Marken wie Nivea, Tesa und La Prairie ist sp\u00fcrbar zur\u00fcckgegangen. Besonders brisant ist dabei, dass der R\u00fcckgang nicht nur einzelne Randbereiche betrifft, sondern ausgerechnet das Kerngesch\u00e4ft des Hamburger Traditionsunternehmens erfasst. 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