{"id":10624,"date":"2026-04-14T22:06:07","date_gmt":"2026-04-15T02:06:07","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10624"},"modified":"2026-04-14T22:06:08","modified_gmt":"2026-04-15T02:06:08","slug":"merz-macht-kiew-zum-strategischen-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10624","title":{"rendered":"Merz macht Kiew zum strategischen Partner"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Berlin pr\u00e4sentiert die Ukraine nicht mehr als Empf\u00e4nger, sondern als Machtfaktor<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Besuch von <strong>Wolodymyr Selenskyj<\/strong> in Berlin markiert einen bemerkenswerten Wandel im deutschen Blick auf die Ukraine. Noch zu Beginn des russischen Gro\u00dfangriffs wurde Kiew in Deutschland oft vor allem als hilfsbed\u00fcrftiger Partner wahrgenommen. Nun trat Selenskyj im Kanzleramt nicht als Bittsteller auf, sondern als Vertreter eines Landes, das milit\u00e4risch, technologisch und taktisch f\u00fcr Europa selbst von erheblichem Nutzen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der von <strong>Friedrich Merz<\/strong> verk\u00fcndeten strategischen Partnerschaft. Sie ist keine symbolische Geste und kein diplomatisches Dekor. Sie folgt einer n\u00fcchternen sicherheitspolitischen Logik. Deutschland unterst\u00fctzt die Ukraine nicht mehr nur aus Solidarit\u00e4t, sondern zunehmend auch aus eigenem Interesse. Merz formulierte das ungew\u00f6hnlich offen. Die Zusammenarbeit sei <strong>\u201enicht nur von Nutzen f\u00fcr die Verteidigung der Ukraine. Es ist auch von besonderem Nutzen f\u00fcr uns, f\u00fcr unsere Sicherheit\u201c<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Satz ist bemerkenswert, weil er den Ton ver\u00e4ndert. Er beschreibt die Ukraine nicht mehr blo\u00df als Schutzobjekt Europas, sondern als Land, das selbst zu einem strategischen Gewinn f\u00fcr Deutschland und die europ\u00e4ische Verteidigungsf\u00e4higkeit geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sieben neue Systeme zeigen, wie eng die Zusammenarbeit bereits ist<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Kanzleramt wurde dieser Anspruch nicht nur mit Worten unterlegt, sondern auch mit konkreten Projekten. Dort waren <strong>sieben neu entwickelte Drohnen und unbemannte Systeme<\/strong> zu sehen, die in deutsch-ukrainischer Zusammenarbeit und unter hohem Zeitdruck entstanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt etwa die <strong>Linsa 3.0<\/strong>, die G\u00fcter auf dem Luftweg transportieren kann. Die <strong>Babka<\/strong> dient der Aufkl\u00e4rung. Das unbemannte Bodenfahrzeug <strong>TerMit<\/strong> ist f\u00fcr Evakuierungen in schwierigem Gel\u00e4nde vorgesehen. Die <strong>Anubis<\/strong> wurde f\u00fcr den Einsatz gegen gepanzerte Fahrzeuge entwickelt. Die <strong>STRILA<\/strong> soll russische <strong>Shahed-Kampfdrohnen<\/strong> abfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein diese Beispiele zeigen, wie stark sich die Kooperation inzwischen auf konkrete Einsatzsysteme konzentriert. Es geht nicht um abstrakte Absichtserkl\u00e4rungen, sondern um Waffen und Plattformen, die unter Kriegsbedingungen entstehen und direkt f\u00fcr reale Frontlagen ausgelegt sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Ukraine beschleunigt, wo Deutschland oft ausgebremst wird<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gerade an diesem Punkt wird der Unterschied zwischen deutscher Friedensb\u00fcrokratie und ukrainischer Kriegsrealit\u00e4t sichtbar. Die deutsche R\u00fcstungsindustrie k\u00e4mpft auch Jahre nach der sogenannten Zeitenwende noch immer mit Vorschriften, Verfahren und langwierigen Abl\u00e4ufen. Die Ukraine dagegen hat ihre Produktionsbedingungen auf ein Minimum an Regeln reduziert, das f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrung gerade noch notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat Folgen f\u00fcr Tempo und Lernkurve. In der Ukraine geht neu entwickelte Technik oft praktisch direkt vom Band an die Front. Dort zeigt sich in k\u00fcrzester Zeit, ob ein System wirklich funktioniert. Der \u00f6sterreichische Milit\u00e4rexperte <strong>Gustav Gressel<\/strong> beschreibt das sehr konkret. Es habe etwa <strong>\u201eSoftware-Probleme oder auch Schwierigkeiten bei der Lenkung\u201c<\/strong> gegeben, wenn \u00fcber l\u00e4ngere Distanzen die Verbindung zur Drohne gehalten werden musste. Viele dieser <strong>\u201eKinderkrankheiten\u201c<\/strong> seien inzwischen aber behoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dieser unmittelbare Praxistest ist f\u00fcr deutsche Hersteller von gro\u00dfem Wert. Auf einem \u00dcbungsplatz kann Technik gut aussehen. Im Krieg zeigt sich, ob sie tats\u00e4chlich taugt. Die Ukraine liefert damit genau jenes Umfeld, in dem Entwicklung brutal beschleunigt wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Iris-T wird f\u00fcr Kiew immer wichtiger<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders stark ist die Zusammenarbeit bereits bei der Luftverteidigung. Das deutsche System <strong>Iris-T<\/strong> hat sich in der Ukraine in den vergangenen <strong>zwei Jahren<\/strong> zu einem der wichtigsten und verl\u00e4sslichsten Mittel der mittleren Reichweite entwickelt. Nach der Einsch\u00e4tzung im vorliegenden Material ist es sogar das einzige System, bei dem es <strong>keinen Engpass bei der Munitionsversorgung<\/strong> gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Ukraine ist das von enormer Bedeutung. In einem Krieg, in dem Luftangriffe, Drohnen und Raketen zum Dauerzustand geworden sind, ist Verl\u00e4sslichkeit oft wichtiger als reine Symbolkraft. Genau deshalb sch\u00e4tzen die Ukrainer dieses System besonders.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bis 2027 soll der n\u00e4chste gro\u00dfe Schritt folgen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Doch aus Sicht Kiews reicht das l\u00e4ngst nicht. Die ukrainische Armee will bis <strong>2027<\/strong> ein eigenes Flugabwehrsystem f\u00fcr die <strong>hohe Reichweite<\/strong> zur Verf\u00fcgung haben. Auch dabei k\u00f6nnte <strong>Iris-T<\/strong> eine zentrale Rolle spielen. Gressel h\u00e4lt es f\u00fcr denkbar, eine Rakete zur Abwehr <strong>ballistischer Raketen<\/strong> zu entwickeln, die mit dem bestehenden Iris-T-System kompatibel w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re ein strategischer Fortschritt mit weitreichenden Folgen. Der vorhandene Werfer k\u00f6nnte dann nicht nur Munition f\u00fcr kurze und mittlere Reichweite, sondern auch neu entwickelte Abwehrsysteme gegen ballistische Bedrohungen verschie\u00dfen. F\u00fcr einen solchen Schritt m\u00fcssten die Ukrainer allerdings tief in die Technik des Systems eingreifen. Sie w\u00e4ren dann nicht mehr blo\u00df Kunde, sondern echter Entwicklungspartner.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Europa k\u00f6nnte dadurch unabh\u00e4ngiger von den USA werden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Genau an diesem Punkt wird die Partnerschaft f\u00fcr Deutschland und Europa besonders interessant. Denn viele europ\u00e4ische Staaten arbeiten bis heute mit dem amerikanischen <strong>Patriot-System<\/strong>. Eine europ\u00e4ische Weiterentwicklung auf Basis von <strong>Iris-T<\/strong> k\u00f6nnte die Abh\u00e4ngigkeit von den USA verringern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sicherheitspolitisch von erheblicher Tragweite. Europa spricht seit Jahren \u00fcber mehr Eigenst\u00e4ndigkeit in Verteidigung und R\u00fcstung, bleibt in entscheidenden Bereichen aber weiterhin von amerikanischer Technologie abh\u00e4ngig. Wenn die Zusammenarbeit mit der Ukraine hier zu einer realen Alternative f\u00fchrt, w\u00fcrde das nicht nur Kiew st\u00e4rken, sondern auch Europas strategische Position ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland erh\u00e4lt Zugang zu einem gewaltigen Wissensvorsprung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Noch gewichtiger als einzelne Waffensysteme ist wom\u00f6glich der Informationsgewinn. In der neuen Partnerschaft ist recht n\u00fcchtern von einer <strong>Daten-Kooperation<\/strong> die Rede. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich jedoch weit mehr als technischer Austausch. Wer in der Ukraine Waffen entwickelt, testet oder verbessert, sammelt laufend Erkenntnisse \u00fcber russische Systeme, St\u00f6rsender, Drohnen, Kampfjets und Abwehrmechanismen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gressel spricht in diesem Zusammenhang von einem <strong>\u201egigantischen Datenschatz\u201c<\/strong>. Dieser Nutzen ist f\u00fcr Deutschland enorm. Denn hier entstehen nicht nur technische Daten, sondern auch taktische Lehren aus einem realen Hochintensit\u00e4tskrieg gegen Russland.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die taktische Erfahrung der Ukrainer ist f\u00fcr die Bundeswehr kaum ersetzbar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders wertvoll ist laut Gressel inzwischen nicht einmal mehr nur das technische Know-how, sondern die taktische Erfahrung der ukrainischen Streitkr\u00e4fte. Er beschreibt, dass man im Internet oft nur das Endresultat sieht, etwa einen Angriff auf ein Dorf. Dahinter stehe jedoch eine viel gr\u00f6\u00dfere, komplexe Operation mit elektronischer Kampff\u00fchrung, Ausschaltung gegnerischer Drohnenteams und sorgf\u00e4ltiger Koordination ganzer Verb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau solche Abl\u00e4ufe kann die <strong>Bundeswehr<\/strong> auf einem \u00dcbungsplatz nur schwer realistisch nachstellen. Von den Ukrainern kann sie sie jedoch lernen. Das macht die Partnerschaft auch f\u00fcr die Abschreckung gegen\u00fcber <strong>Wladimir Putin<\/strong> so wichtig. Wenn deutsche und andere europ\u00e4ische Soldaten aus erster Hand von ukrainischen Kampferfahrungen profitieren, steigt ihre Glaubw\u00fcrdigkeit als m\u00f6glicher Gegner Russlands erheblich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Botschaft an Moskau ist klar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Darin liegt die eigentliche politische Wirkung dieses Tages. Selenskyj trat in Berlin nicht als Hilfesuchender auf, sondern als Partner auf Augenh\u00f6he. Genau dieses Bild d\u00fcrfte in Moskau aufmerksam registriert worden sein. Wenn Europa nicht nur Geld gibt, sondern Know-how gewinnt, Waffen gemeinsam entwickelt und von der kampferprobtesten Armee des Kontinents lernt, dann ver\u00e4ndert das die milit\u00e4rische Rechnung des Kremls.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschreckung funktioniert genau so. Sie lebt davon, einem m\u00f6glichen Gegner glaubhaft zu machen, dass der Preis eines Angriffs hoch w\u00e4re. Die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine ist deshalb nicht nur Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kiew. Sie ist zugleich eine Botschaft an Russland, dass Europa aus diesem Krieg lernt und sich milit\u00e4risch ernsthafter aufstellt als bislang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin pr\u00e4sentiert die Ukraine nicht mehr als Empf\u00e4nger, sondern als Machtfaktor Der Besuch von Wolodymyr Selenskyj in Berlin markiert einen bemerkenswerten Wandel im deutschen Blick auf die Ukraine. Noch zu Beginn des russischen Gro\u00dfangriffs wurde Kiew in Deutschland oft vor allem als hilfsbed\u00fcrftiger Partner wahrgenommen. 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