{"id":10519,"date":"2026-03-27T09:35:41","date_gmt":"2026-03-27T13:35:41","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10519"},"modified":"2026-03-27T09:35:43","modified_gmt":"2026-03-27T13:35:43","slug":"bahn-schreibt-weiter-tiefrote-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10519","title":{"rendered":"Bahn schreibt weiter tiefrote Zahlen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mehr Fahrg\u00e4ste, mehr Umsatz, trotzdem Milliardenminus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die <strong>Deutsche Bahn<\/strong> steckt wirtschaftlich weiter in einer schweren Krise. Zwar nutzten im vergangenen Jahr mehr Menschen den Konzern als zuvor, auch der Umsatz legte zu. Trotzdem stand unter dem Strich erneut ein hoher Verlust. Die Bilanz f\u00fcr <strong>2025<\/strong> weist ein Minus von <strong>2,3 Milliarden Euro<\/strong> aus. Im Jahr davor hatte der Fehlbetrag noch bei <strong>1,8 Milliarden Euro<\/strong> gelegen. Damit vergr\u00f6\u00dferte sich der Verlust um rund <strong>500 Millionen Euro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Nachfrage auf der Schiene hoch bleibt. \u00dcber alle Verkehrsbereiche hinweg z\u00e4hlte der bundeseigene Konzern <strong>1,93 Milliarden Fahrg\u00e4ste<\/strong>. Das waren <strong>3,4 Prozent<\/strong> mehr als im Vorjahr. Allein im Regionalverkehr reisten rund <strong>1,8 Milliarden Menschen<\/strong> mit der Bahn, im Fernverkehr kamen <strong>136 Millionen Fahrg\u00e4ste<\/strong> zusammen. Auch die Verkehrsleistung stieg um <strong>2,7 Prozent<\/strong> auf rund <strong>87 Milliarden Personenkilometer<\/strong>. Trotzdem reicht diese wachsende Nachfrage nicht aus, um die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns auszugleichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Abschreibungen im Fernverkehr belasten die Bilanz schwer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Grund f\u00fcr das erneute Milliardenminus liegt im Fernverkehr. Dort musste die Bahn eine Wertminderung von rund <strong>1,4 Milliarden Euro<\/strong> verbuchen. Hintergrund ist die Einsch\u00e4tzung, dass die Sparte wegen des maroden Netzes, zahlreicher Baustellen und anhaltender Versp\u00e4tungen auf l\u00e4ngere Sicht geringere Ums\u00e4tze erzielen wird als bisher erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird ein strukturelles Problem sichtbar. Die Bahn leidet nicht nur unter aktuellen St\u00f6rungen, sondern unter einer Infrastruktur, deren Zustand das Gesch\u00e4ft auch in den kommenden Jahren belasten d\u00fcrfte. Die Hoffnung auf schnelle Besserung ist gering. Bahnchefin <strong>Evelyn Palla<\/strong> sprach offen von einem <strong>\u201eneuen Realismus\u201c<\/strong> und machte deutlich, dass es ungef\u00e4hr <strong>zehn Jahre<\/strong> dauern werde, bis das Schienennetz wieder in einem guten Zustand sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussage ist brisant. Sie bedeutet nichts anderes, als dass sich Fahrg\u00e4ste und Unternehmen auf eine lange Phase eingeschr\u00e4nkter Qualit\u00e4t einstellen m\u00fcssen. F\u00fcr einen Konzern, der auf Verl\u00e4sslichkeit angewiesen ist, ist das ein schwerer Befund.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schenker-Verkauf nimmt dem Konzern einen Gewinnbringer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Erschwert wird die Lage zus\u00e4tzlich durch den Verkauf der fr\u00fcheren Logistiktochter <strong>DB Schenker<\/strong>. Diese Sparte galt lange als stabiler Ertragsbringer im Konzern. Mit ihrem Wegfall fehlt der Bahn nun ein Bereich, der zuverl\u00e4ssig Geld verdient hat und Verluste an anderer Stelle abfedern konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar brachte der Verkauf viel Geld in die Kasse. Nach Angaben des Konzerns sank der Schuldenstand dadurch um <strong>11,9 Milliarden Euro<\/strong> auf zuletzt <strong>20,7 Milliarden Euro<\/strong>. Rechnerisch ergab sich durch den Verkauf sogar ein Jahres\u00fcberschuss von <strong>5,3 Milliarden Euro<\/strong>. Doch dieser Effekt hilft nur auf den ersten Blick. Denn das Geld floss fast vollst\u00e4ndig in den Schuldenabbau. Operativ steht die Bahn damit wirtschaftlich weiterhin unter erheblichem Druck.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade darin liegt die Schw\u00e4che der Bilanz. Der Schuldenberg wurde kleiner, aber die strukturellen Probleme im laufenden Gesch\u00e4ft bestehen fort. Ein Konzern, der seinen wichtigsten Gewinnbringer verkauft, um seine Verbindlichkeiten zu senken, verschafft sich Luft, l\u00f6st aber nicht automatisch seine Kernprobleme.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Palla spricht von Fortschritten, bleibt aber vorsichtig<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz des hohen Nettoverlusts verweist die Konzernf\u00fchrung auf erste Verbesserungen im operativen Gesch\u00e4ft. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei <strong>plus 297 Millionen Euro<\/strong>. Gegen\u00fcber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um <strong>630 Millionen Euro<\/strong>. Auch der Umsatz wuchs um <strong>drei Prozent<\/strong> auf rund <strong>27 Milliarden Euro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Evelyn Palla<\/strong> wertete dies als <strong>\u201ewichtigen Schritt nach vorne\u201c<\/strong>, schob jedoch sofort nach: <strong>\u201eZufrieden sind wir noch nicht.\u201c<\/strong> Dieser Satz beschreibt die Lage treffend. Denn die Bahn kann zwar auf einzelne Verbesserungen verweisen, von einer echten wirtschaftlichen Stabilit\u00e4t ist sie aber noch weit entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem <strong>1. Oktober 2025<\/strong> f\u00fchrt Palla den Konzern und treibt einen Umbau voran. Der Vorstand wurde von <strong>acht auf sechs Ressorts<\/strong> verkleinert, auch auf den F\u00fchrungsebenen gab es Einschnitte. <strong>2026<\/strong> soll ganz im Zeichen des Konzernumbaus stehen, die wesentlichen Teile sollen Anfang <strong>2027<\/strong> abgeschlossen sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>P\u00fcnktlichkeit bleibt das gr\u00f6\u00dfte Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das wohl schwerste Problem der Bahn ist jedoch nicht nur finanzieller Natur, sondern betrifft direkt den Alltag der Fahrg\u00e4ste. Die P\u00fcnktlichkeit im Fernverkehr ist weiter abgest\u00fcrzt. Nur <strong>60,1 Prozent<\/strong> der Z\u00fcge kamen <strong>2025<\/strong> p\u00fcnktlich an. Im Vorjahr hatte die Quote noch <strong>62,5 Prozent<\/strong> betragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Palla r\u00e4umte die Dramatik dieser Entwicklung offen ein. <strong>\u201eWir sehen seit 2020 einen Abw\u00e4rtstrend und haben vergangenes Jahr einen Tiefstand erreicht\u201c<\/strong>, sagte sie. Und weiter: <strong>\u201eWir m\u00fcssen diese Talfahrt stoppen.\u201c<\/strong> Bis <strong>2029<\/strong> soll die P\u00fcnktlichkeit im Fernverkehr wieder auf <strong>70 Prozent<\/strong> steigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kurzfristig ist eher mit zus\u00e4tzlichen Belastungen zu rechnen. Die Bahn selbst erwartet, dass die P\u00fcnktlichkeit auch im <strong>\u201eSuper-Baujahr 2026\u201c<\/strong> unter Druck bleiben wird. Geplant sind rund <strong>28.000 Baustellen<\/strong>. Gemeinsam mit dem Bund sollen in diesem Jahr mehr als <strong>23 Milliarden Euro<\/strong> in die Infrastruktur flie\u00dfen. Bereits <strong>2025<\/strong> investierte die Bahn nach eigenen Angaben rund <strong>19 Milliarden Euro<\/strong> in das Netz, zusammen mit Bundesmitteln lagen die Bruttoinvestitionen bei etwa <strong>22 Milliarden Euro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einige Bereiche verbessern sich, Cargo bleibt das Sorgenkind<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht alle Sparten entwickelten sich gleich schlecht. Nach Angaben der Bahn erzielten mit Ausnahme von <strong>DB Cargo<\/strong> alle Gesch\u00e4ftsfelder ein positives Betriebsergebnis. Besonders stark schnitt <strong>DB Regio<\/strong> ab. Dort stieg der operative Gewinn auf <strong>191 Millionen Euro<\/strong>. Auch das Busgesch\u00e4ft schrieb erstmals seit <strong>acht Jahren<\/strong> wieder schwarze Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fernverkehr spricht der Konzern von einem <strong>\u201eEinstieg in die Sanierung\u201c<\/strong>. Das operative Ergebnis verbesserte sich dort von <strong>minus 96 Millionen Euro<\/strong> auf <strong>plus 45 Millionen Euro<\/strong>. Gleichzeitig erreichten Umsatz und Verkehrsleistung ein Rekordniveau, blieben aber wegen der schlechten Infrastruktur hinter den Erwartungen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gro\u00dfe Sorgenkind bleibt die G\u00fcterverkehrstochter <strong>DB Cargo<\/strong>. Zwar verbesserte sie ihr operatives Ergebnis um <strong>350 Millionen Euro<\/strong>, verpasste die Gewinnzone aber erneut knapp. Zudem ging die transportierte G\u00fctermenge deutlich zur\u00fcck. Um die Sparte zu sanieren, plant der Konzern bis <strong>2030<\/strong> den Abbau von <strong>6.200 Stellen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Milliardeninvestitionen, aber die Geduld der Kunden wird strapaziert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich will die Bahn in diesem Jahr mehr als <strong>140 Millionen Euro<\/strong> in drei Sofortprogramme stecken. Verbessert werden sollen Sauberkeit und Sicherheit an Bahnh\u00f6fen, der Komfort im Fernverkehr sowie die Kundeninformation. F\u00fcr <strong>2026<\/strong> rechnet der Konzern mit einem Umsatz von rund <strong>28 Milliarden Euro<\/strong> und einem operativen Ergebnis von etwa <strong>600 Millionen Euro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die entscheidende Frage bleibt, ob die Fahrg\u00e4ste diesen langen Weg mitgehen. Mehr Reisende, h\u00f6here Ums\u00e4tze und Milliardeninvestitionen \u00e4ndern nichts daran, dass die Bahn bei P\u00fcnktlichkeit, Infrastruktur und Verl\u00e4sslichkeit in einer tiefen Vertrauenskrise steckt. Die Bilanz zeigt deshalb nicht nur rote Zahlen, sondern auch, wie gro\u00df der Abstand zwischen politischen Erwartungen, wirtschaftlicher Realit\u00e4t und t\u00e4glicher Reiseerfahrung inzwischen geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr Fahrg\u00e4ste, mehr Umsatz, trotzdem Milliardenminus Die Deutsche Bahn steckt wirtschaftlich weiter in einer schweren Krise. Zwar nutzten im vergangenen Jahr mehr Menschen den Konzern als zuvor, auch der Umsatz legte zu. Trotzdem stand unter dem Strich erneut ein hoher Verlust. Die Bilanz f\u00fcr 2025 weist ein Minus von 2,3 Milliarden Euro aus. Im Jahr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10520,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[304,311],"tags":[4777,4782,2927,4783,730,4778,4780,1964,1445,423,2462,4781,4779,2451,700,860],"class_list":["post-10519","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutschland","category-unternehmen","tag-bahnkrise","tag-baustellen","tag-db-cargo","tag-db-schenker","tag-deutsche-bahn","tag-evelyn-palla","tag-fahrgaeste","tag-fernverkehr","tag-infrastruktur","tag-krise","tag-milliardenverlust","tag-puenktlichkeit","tag-regionalverkehr","tag-sanierung","tag-schulden","tag-umsatz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10519"}],"collection":[{"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10519"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10521,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10519\/revisions\/10521"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/aktiengurus.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}