{"id":10429,"date":"2026-03-16T09:18:06","date_gmt":"2026-03-16T13:18:06","guid":{"rendered":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10429"},"modified":"2026-03-16T09:18:07","modified_gmt":"2026-03-16T13:18:07","slug":"kommunalwahl-in-hessen-bringt-neue-kraefteverhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aktiengurus.com\/?p=10429","title":{"rendered":"Kommunalwahl in Hessen bringt neue Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kommunalpolitik im Wandel: Ein Land w\u00e4hlt neu<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die aktuellen <strong>Kommunalwahlen in Hessen<\/strong> zeigen ein politisches Bild, das von regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen gepr\u00e4gt ist. W\u00e4hrend einige Parteien ihre Position in wichtigen St\u00e4dten verteidigen konnten, kam es gleichzeitig zu teils deutlichen Verschiebungen im politischen Kr\u00e4ftefeld. Besonders auff\u00e4llig ist, dass mehrere Parteien gleichzeitig Zugewinne oder Verluste verzeichnen, je nachdem, ob man Gro\u00dfst\u00e4dte, mittelgro\u00dfe Kommunen oder l\u00e4ndliche Regionen betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen St\u00e4dten best\u00e4tigt sich ein Trend, der bereits bei vorherigen Wahlen sichtbar wurde: Die politischen Mehrheiten werden fragmentierter, w\u00e4hrend kleinere Parteien und lokale W\u00e4hlergruppen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig zeigt sich, dass nationale politische Themen auch auf kommunaler Ebene immer st\u00e4rker Einfluss auf das Wahlverhalten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt ein wachsendes Interesse an kommunalen Entscheidungen. In mehreren Gemeinden stieg die <strong>Wahlbeteiligung deutlich an<\/strong>, teilweise um mehrere Prozentpunkte. In der Stadt <strong>Erlensee<\/strong> beispielsweise erh\u00f6hte sich die Beteiligung von <strong>41 Prozent auf 49 Prozent<\/strong>. Auch B\u00fcrgerentscheide zu lokalen Infrastruktur- oder Energieprojekten mobilisieren zunehmend die Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gr\u00fcne verteidigen ihre Hochburgen in Darmstadt und Kassel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz sp\u00fcrbarer Verluste bleiben die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong> in mehreren hessischen Gro\u00dfst\u00e4dten weiterhin eine der st\u00e4rksten politischen Kr\u00e4fte. Besonders deutlich wird dies in der sogenannten <strong>\u201eWissenschaftsstadt\u201c Darmstadt<\/strong>, wo die Partei erneut den ersten Platz erreichen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit rund <strong>23 Prozent der Stimmen<\/strong> liegen die Gr\u00fcnen dort weiterhin an der Spitze. Dahinter folgen <strong>CDU<\/strong> und <strong>SPD<\/strong>, die jeweils etwa <strong>16 Prozent<\/strong> erzielen konnten. Auff\u00e4llig ist jedoch die zunehmende Konkurrenz durch kleinere Parteien. <strong>Die Linke<\/strong>, <strong>AfD<\/strong> und <strong>Volt<\/strong> erreichen jeweils rund <strong>10 Prozent<\/strong> und bilden damit ein enges Mittelfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in <strong>Kassel<\/strong> zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild. Dort f\u00fchren <strong>Gr\u00fcne<\/strong> und <strong>CDU<\/strong> mit jeweils etwa <strong>22 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend die <strong>SPD<\/strong> rund <strong>20 Prozent<\/strong> erreicht. Die <strong>Linke<\/strong> kommt auf knapp <strong>15 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend die <strong>AfD<\/strong> mit etwa <strong>12 Prozent<\/strong> zwar zulegen kann, jedoch weiterhin hinter den gr\u00f6\u00dferen Parteien bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der Verluste bleiben die Gr\u00fcnen damit in beiden St\u00e4dten eine zentrale politische Kraft. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass sich die politische Landschaft zunehmend ausdifferenziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>CDU st\u00e4rkt ihre Position in mehreren Regionen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Gr\u00fcnen in einigen St\u00e4dten ihre Stellung verteidigen konnten, gelang es der <strong>CDU<\/strong> in anderen Regionen, ihre Position deutlich auszubauen. Besonders sichtbar wird dies in der hessischen Landeshauptstadt <strong>Wiesbaden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort erreichten die Christdemokraten laut Trendergebnis rund <strong>26 Prozent der Stimmen<\/strong> und konnten damit ihren Vorsprung gegen\u00fcber der <strong>SPD<\/strong> ausbauen. Gleichzeitig musste die SPD mehrere Prozentpunkte abgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den klaren Verlierern z\u00e4hlen in Wiesbaden die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong> und die <strong>FDP<\/strong>. Beide Parteien verloren jeweils mehr als <strong>f\u00fcnf Prozentpunkte<\/strong> im Vergleich zur letzten Kommunalwahl. Die Gr\u00fcnen kamen auf etwa <strong>15 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend die FDP lediglich rund <strong>5 Prozent<\/strong> erreichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Region <strong>Waldeck-Frankenberg<\/strong>, die lange Zeit als klassische <strong>SPD-Hochburg<\/strong> galt, setzte sich die CDU klar durch. Mit rund <strong>30 Prozent der Stimmen<\/strong> gewann sie dort die Kreiswahl. SPD, Gr\u00fcne, FDP und Freie W\u00e4hler verloren jeweils mehrere Prozentpunkte gegen\u00fcber der Wahl von <strong>2021<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>AfD erzielt starke Zugewinne in mehreren Kommunen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein weiterer zentraler Trend dieser Wahl ist der teilweise deutliche Stimmenzuwachs der <strong>AfD<\/strong> in mehreren Gemeinden. Besonders stark f\u00e4llt dieser in kleineren St\u00e4dten und l\u00e4ndlicheren Regionen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Stadt <strong>Erlensee<\/strong> \u00f6stlich von Frankfurt liegt die Partei laut Trendergebnis mit <strong>26 Prozent<\/strong> erstmals auf dem <strong>ersten Platz<\/strong>. Dahinter folgen <strong>SPD mit 24 Prozent<\/strong>, <strong>Freie W\u00e4hler mit 18 Prozent<\/strong> und die <strong>CDU mit 16 Prozent<\/strong>. Die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong> erreichen nur noch etwa <strong>10 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend <strong>Die Linke<\/strong> bei knapp <strong>6 Prozent<\/strong> liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in <strong>B\u00fcdingen<\/strong> zeigt sich eine deutliche Verschiebung. Dort erreicht die AfD etwa <strong>25 Prozent<\/strong> und liegt damit vor <strong>CDU (24 Prozent)<\/strong> und einer <strong>Freien W\u00e4hlergemeinschaft (22 Prozent)<\/strong>. Die <strong>SPD<\/strong> kommt auf rund <strong>15 Prozent<\/strong>, die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong> auf etwa <strong>10 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren hatte die AfD dort lediglich <strong>6 Prozent<\/strong> erzielt. Das entspricht einem Zuwachs von rund <strong>19 Prozentpunkten<\/strong>. Allerdings k\u00f6nnen sich diese Werte nach vollst\u00e4ndiger Ausz\u00e4hlung aller Stimmen noch leicht ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Teilen <strong>Osthessens<\/strong>, traditionell eher konservativ gepr\u00e4gt, liegt die AfD in einzelnen Wahllokalen sogar deutlich vor der CDU. In einem Wahllokal der Stadt <strong>Gersfeld<\/strong> beispielsweise kommt die AfD auf <strong>37 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend die CDU dort etwa <strong>27 Prozent<\/strong> erreicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unterschiedliche Entwicklungen in gro\u00dfen St\u00e4dten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Hessens zeigt sich ein gemischtes Bild. Besonders interessant ist die Entwicklung in <strong>Frankfurt am Main<\/strong>, der gr\u00f6\u00dften Stadt des Bundeslandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort konnte die <strong>AfD<\/strong> ihr Ergebnis nahezu <strong>verdoppeln<\/strong> und erreicht nach Ausz\u00e4hlung eines Teils der Wahllokale knapp <strong>12 Prozent<\/strong> der Stimmen. Gleichzeitig legt die <strong>CDU<\/strong> leicht zu und kommt auf rund <strong>26 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong>, die derzeit die st\u00e4rkste Fraktion im Frankfurter Rathaus stellen, verlieren hingegen deutlich und erreichen nur noch etwa <strong>19 Prozent<\/strong>. Das entspricht einem Minus von rund <strong>sechs Prozentpunkten<\/strong> im Vergleich zur letzten Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>SPD<\/strong> bleibt relativ stabil bei etwa <strong>17 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend <strong>Die Linke<\/strong> rund <strong>8 Prozent<\/strong> erreicht. <strong>Volt<\/strong> kommt auf etwa <strong>4 Prozent<\/strong>, w\u00e4hrend das <strong>B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht<\/strong> mit rund <strong>1,4 Prozent<\/strong> bislang kaum eine Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<p>In <strong>Hanau<\/strong>, das seit Anfang des Jahres wieder eine <strong>kreisfreie Stadt<\/strong> ist, bleibt die <strong>SPD<\/strong> laut Trendergebnis st\u00e4rkste Kraft. Allerdings ist ihr Vorsprung gegen\u00fcber der <strong>CDU<\/strong> deutlich kleiner geworden. W\u00e4hrend die SPD rund <strong>19 Prozent<\/strong> erreicht, liegt die CDU nur etwa <strong>zwei Prozentpunkte<\/strong> dahinter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>AfD<\/strong> und die <strong>Gr\u00fcnen<\/strong> liegen dort nahezu gleichauf im Bereich zwischen <strong>10 und 11 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>B\u00fcrgerentscheide zu Windkraft sorgen f\u00fcr politische Debatten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neben den Wahlergebnissen sorgten auch mehrere <strong>B\u00fcrgerentscheide<\/strong> f\u00fcr Aufmerksamkeit. Besonders kontrovers wurde \u00fcber den Bau von <strong>Windkraftanlagen<\/strong> diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kurstadt <strong>Bad Orb<\/strong> sprachen sich mehr als <strong>68 Prozent der B\u00fcrger<\/strong> gegen einen geplanten <strong>Windpark<\/strong> aus. Die Stadt k\u00fcndigte an, mit <strong>\u201eallen rechtlich zul\u00e4ssigen Ma\u00dfnahmen\u201c<\/strong> gegen die Errichtung der Anlagen vorzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen soll auf dem betroffenen Waldgebiet ein sogenannter <strong>Heilwald<\/strong> entstehen. Ob der B\u00fcrgerentscheid rechtlich bindend ist, bleibt allerdings unklar, da das Grundst\u00fcck dem <strong>Land Hessen<\/strong> geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders fiel die Entscheidung im mittelhessischen <strong>L\u00f6hnberg<\/strong> aus. Dort stimmten rund <strong>57 Prozent<\/strong> der B\u00fcrger f\u00fcr die Umwidmung kommunaler Waldfl\u00e4chen f\u00fcr Windkraftanlagen. Die Gemeinde plant, durch die <strong>Verpachtung der Fl\u00e4chen<\/strong> zus\u00e4tzliche Einnahmen zu generieren, um ihre <strong>Finanzprobleme<\/strong> zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wahlsystem sorgt weiterhin f\u00fcr politische Diskussionen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neben den politischen Ergebnissen steht auch das <strong>hessische Wahlsystem<\/strong> erneut im Mittelpunkt der Diskussion. Hessen verwendet weiterhin das sogenannte <strong>Hare-Niemeyer-Quotenverfahren<\/strong>, das bereits bei Bundestagswahlen zwischen <strong>1987 und 2005<\/strong> angewendet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritiker bem\u00e4ngeln seit Jahren, dass dieses System zu mathematischen Paradoxien f\u00fchren kann. In bestimmten F\u00e4llen kann eine Partei beispielsweise <strong>einen Sitz verlieren<\/strong>, obwohl eine andere Partei <strong>weniger Stimmen<\/strong> erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reform des Systems wurde jedoch vom <strong>Hessischen Staatsgerichtshof<\/strong> gestoppt. Die Landesregierung hatte vorgeschlagen, ein <strong>Divisorverfahren<\/strong> einzuf\u00fchren, das in L\u00e4ndern wie <strong>\u00d6sterreich<\/strong> und der <strong>Schweiz<\/strong> genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verfahren h\u00e4tte nach Ansicht der Regierung dazu beitragen k\u00f6nnen, die <strong>Zersplitterung kommunaler Parlamente<\/strong> zu reduzieren. Da kleinere Gruppierungen derzeit relativ leicht einen Sitz erhalten k\u00f6nnen, sind in vielen Gemeinden sehr viele Parteien und Listen vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung des Gerichts bedeutet jedoch, dass das bisherige Verfahren weiterhin angewendet wird \u2013 und die Diskussion \u00fcber eine m\u00f6gliche Reform des Wahlsystems wohl auch nach dieser Wahl nicht beendet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommunalpolitik im Wandel: Ein Land w\u00e4hlt neu Die aktuellen Kommunalwahlen in Hessen zeigen ein politisches Bild, das von regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen gepr\u00e4gt ist. W\u00e4hrend einige Parteien ihre Position in wichtigen St\u00e4dten verteidigen konnten, kam es gleichzeitig zu teils deutlichen Verschiebungen im politischen Kr\u00e4ftefeld. 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